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Red Bull Cliffdiving Weltpremiere in Hamburg
Hafen als Sprungbrett zum Triumph
Sie beschleunigen innerhalb von 2,5 Sekunden von Null auf 90 km/h, um nach dem Eintauchen innerhalb von vier Metern wieder auf Null abzubremsen. Fast 30 Meter freier Fall gewürzt mit kunstvollen Manövern in der Luft: Cliff Diving ist ein Fest der Sinne - und der Inbegriff von perfekter Körperbeherrschung und unfassbarem Mut.
Niemand legt diese Meter ästhetischer und schneller zurück als Cliff Diver. Von 19. bis 23. August versammelt sich die Weltelite zum Red Bull Cliff Diving 2008, um im ehrwürdigen Hamburger Hafen den Besten unter ihnen zu küren.
Nur noch wenige Sekunden bis zum Absprung hoch über dem Hafen von Hamburg, auf Augenhöhe mit den Spitzen der Schiffsmasten, von Angesicht zu Angesicht mit Container-Kränen und Häuserdächern. Weit unten das Wasser – aus dieser Höhe hart wie Beton. Dann noch einmal Luft holen, in die Knie gehen - und abheben! Auf dem Weg in die Tiefe präsentieren Cliff Diver wagemutige Saltos und „Baranis“ oder wirbeln in atemberaubenden „Twisting Groups“ durch die Luft. Wenige Augenblicke später das brachiale Eintauchen mit den Füßen voran ins Wasser. Und beim Auftauchen der Jubel der Zuschauer und die Punktewertung der Jury!
Elf der besten Cliff Diver der Welt - darunter der sechsfache Weltmeister und Red Bull Athlet Orlando Duque aus Kolumbien und die Deutsche Anna Bader, die einzige Cliff Diverin Europas, die in der Männerwertung mithalten kann, - zelebrieren beim Red Bull Cliff Diving von 19. bis 23. August 2008 in Hamburg ihre Kunst in Reinkultur. Orlando Duque ist nicht nur der beste und gleichzeitig faszinierendste Vertreter seiner Zunft, sondern auch einer der Ideengeber und Co-Initiator des außergewöhnlichen Events mitten in Hansestadt.
„Der historische Hamburger Hafen bietet für dieses Projekt eine mehr als spektakuläre, weil industriell-urbane Kulisse“, so Orlando. „Wir starten hier also etwas ganz Neues und Innovatives. Ich kann’s kaum erwarten, bis es endlich losgeht.“ Ab 19. August startet die Aufsehen erregende Tour durch das Hafengelände. Die Cliff Diver katapultieren sich unter anderem vom Bahnkran im Unikai oder springen aus einem der Fenster des Miniatur Wunderlandes in der Speicherstadt oder von einem Container-Kran in den freien Fall. Das Highlight, das große Finale des Red Bull Cliff Diving 2008 in Hamburg, findet am 23. August statt. Dann zaubern die Ausnahmeathleten von Bord des berühmten Segelschiffes Rickmer Rickmers, das Wahrzeichen Hamburgs, ihre atemberaubenden Tricks und Sprünge in die Luft.
Nach vergangenen Events im natürlichen Umfeld der Cliff Diver (Schluchten, Seen, Felsküste) findet das Red Bull Cliff Diving 2008 das erste Mal in Deutschland und das erste Mal im urbanen Umfeld vor beeindruckender Großstadtkulisse statt! Weitere Events führen die internationale Crème de la Crème der Cliff Diver am 13. Juli nach Polignano a Mare in Süditalien und am 19. Juli an den österreichischen Wolfgangsee.
Körperkunst zwischen Fels und Wasser
20 Meter Höhe, zwei Sekunden freier Fall, mit 90 km/h in Richtung Wasser – für den Extremsport „Cliff Diving“ (Klippenspringen) braucht man absolute Körperbeherrschung und viel Courage. Das hat sie, die zweifache Europameisterin Anna Bader aus Mainz. Sie liebt den Adrenalin-Kick, die „angenehme Angst“. Und sie wird demnächst beim Red Bull Cliff Diving 2008 in Hamburg als einzige Frau bei den Männern mit springen.
Anna Bader sieht auf den ersten Blick aus wie eine ganz normale Studentin. Ist sie ja auch, sie studiert Englisch, Spanisch und Geographie in Mainz. Ganz normal eben. Aber wehe wenn sie losgelassen wird! Auf Felsen, Brücken und Kräne zum Beispiel. Dann ist die 24-jährige nicht zu stoppen. Dann muss sie da runter. Aber nicht einfach nur so, sondern im freien Fall - inklusive einiger atemberaubender Kunstsprünge.
Anna Bader ist Cliff Diverin. Sie springt aus bis zu 20 Metern Höhe kopfüber von Felsen und anderen Absprungstellen ins Wasser, das aus dieser Höhe hart ist wie Beton. Auf ihrem Weg in die Tiefe hat Anna nur circa 2 Sekunden Zeit, um ihre kunstvollen Tricks, Salti und Schrauben zu drehen. Dann taucht sie ein. „Der Aufprall ist richtig hart, aber gleichzeitig sehr emotional“, erklärt sie. „Dabei löst sich die ganze Anspannung - umso mehr wenn alles gut gegangen ist.“ Die Belastungen, denen Anna hier ausgesetzt ist, sind enorm: ihr Körper wird beim Eintauchen innerhalb von drei, vier Metern von knapp 90 km/h auf Null abgebremst. Es gibt nur eine Handvoll Frauen, die diesen Extremsport ausüben, und die Deutsche ist eine der besten. Sie ist zweifache Europameisterin. Und sie ist die einzige Frau, die bei den Männern mitmischen kann.
Anna Bader wurde am 12.12.1983 in Mutlangen in der Schwäbischen Alp geboren und kam über ihre Mutter Angelika Kern, selbst Turnerin und Olympia-Teilnehmerin in Mexiko 1968 und München 1972, zum Kunstturnen, Geräteturnen, Ballett und sogar zu einer Showausbildung. Mit 13 begann Anna mit dem Kunst- und Turmspringen, mit 16 war sie Mitglied in der Nationalmannschaft.
Als sie 17 war, sprang Anna auf Jamaika zum ersten Mal von meterhohen Felsen in die Fluten. „Nach einem Stunt von der Touristenplattform luden mich die Einheimischen ein, mit ihnen auf der gegenüberliegenden Seite des Felsens zu springen. Gemeinsam übten wir bis die Sonne unterging und beeindruckten uns gegenseitig mit immer spektakuläreren Manövern“, erinnert sich Anna an ihre Initiation beim Cliff Diving. „Einer der Locals sagte zum Schluss sogar zu mir: Milady, it was an honour to dive with you.“ Damals war es um Anna geschehen; sie verliebte sich unsterblich in die kahlen Felswände, die atemberaubende Höhe, den Wind, das Wasser und die intensiven Momente grenzenloser Lebendigkeit, die sie seither beim Klippenspringen immer wieder erlebt.
Der nächsten großen Herausforderung stellt sich die kühne Deutsche von 19. bis 23. August im Hamburger Hafen. Dort versammelt sich die Weltelite der Cliff Diver zum Red Bull Cliff Diving 2008. „Das Red Bull Cliff Diving 2008 in Hamburg ist etwas ganz Neues - wir springen nicht von Felsen, sondern von Container-Kränen oder Segelmasten“, freut sich Anna. „Ich kann’s kaum erwarten mit Top-Leuten wie Orlando Duque zu springen.“
Cliff-Diving-Weltmeister Orlando Duque aus Kolumbien und zehn weitere internationale Stars sind ab dem 19. August 2008 zu Besuch in der Hansestadt. Sie alle kommen, um den Besten unter ihnen zu küren. DIE Beste steht aber jetzt schon fest: Anna Bader.
Der Inbegriff des High Divings, der Maßstab für alle, die es in diesem Sport zu etwas bringen wollen, kommt 2008 nach Deutschland – Orlando Duque. Der Kolumbianer lebt auf Hawaii und trotzdem schlägt sein Herz für die kleine Alpenrepublik. Hier begann einst eine Karriere, die mit neun Weltmeistertiteln gekrönt und in einem Film verewigt wurde. Abgehoben agiert er allerdings maximal für drei Sekunden am Stück.
„Es war echt harte Arbeit“, blickt der Kolumbianer auf eineinhalb Jahre als klippenspringender Schauspieler für „9Dives“ zurück. Den Job, für den er seit Jahren bezahlt wird, würde er dagegen nie als Arbeit bezeichnen. Wie auch, wenn er als Arbeitskleidung eine Badehose herhält und sein Büro an landschaftlich einzigartigen Plätzen mit direktem Zugang zum Wasser liegt. Für den 33-Jährigen „mit ein Grund warum ich Cliff Diver wurde; immer wieder kommst du an atemberaubende Klippen und Felsen, die du durch deine Sprünge ganz besonders wahrnimmst.“
Bei einer Beschleunigung von 0 auf 100 in nur drei Sekunden bleibt wohl nicht mehr all zu viel Zeit zur Wahrnehmung dessen, was rund herum passiert. „Wenn ich kurz vor dem Absprung auf der Plattform stehe, dann kann meine Lieblingsmusik auf voller Lautstärke spielen und ich krieg davon überhaupt nichts mit“, versucht Orlando die extreme Konzentration vor einen Sprung zu erklären. Und versichert im nächsten Moment, dass er keinesfalls verrückt ist. Schließlich wurde es nach einem Jahrzehnt Turmspringen und Chlorwasser einfach mal notwendig in andere Gewässer zu wechseln. „Mit 20 hab ich mit dem High Diving begonnen. Das Springen in den Pool wurde schön langsam etwas monoton und das Cliff Diven war die perfekte Steigerung.“ Dem voraus ging auch eine nicht realisierte Olympiateilnahme 1992: Die vom nationalen Olympischen Komitee geforderten Limits waren erbracht, die Freude auf die Spiele riesig, doch kurz bevor die Reise nach Spanien begann, teilten die nationalen Funktionäre mit, dass sie keine Plätze für Turmspringer in ihrem Kontingent hätten. Aus der Traum, vorbei war es mit dem Schwimmbadgetümple.
Groß wurde Orlando in Cali, im Herzen Kolumbiens. In der vier Millionen Stadt sprang er mit zehn zum ersten Mal von einem Drei-Meter Brett. „Nach dem Fußballtraining ging ich regelmäßig zum Zuschauen. Eines Tages fragte mich der Sprungtrainer ob ich nicht auch einmal versuchen wollte. Obwohl ich nicht genau wusste, ob meine Schwimmkünste mich bis an den Beckenrand bringen würden, sagte ich zu.“ Dabei ist es nicht lang geblieben. Dem Drei-Meter Brett folgten bald der sieben und zehn Meter Turm. 1995 der erste Cliff Dive in einer lokalen Show zu Hause in Cali. Und weil es scheinbar nichts Logischeres gab, folgte der aufstrebende Klippenspringer in den Sommermonaten 1997-1999 Engagements im Safaripark Gänserndorf, vor den Toren Wiens. „Dort durfte ich von einem 25m hohen Kran in einen – von oben betrachtet – aschenbechergroßen Pool springen,“ plaudert der kolumbianische Modellathlet aus dem Nähkästchen. Und apropos Österreich: Als weder deutsch noch englisch sprechender Südamerikaner ließ er auch einen Winter lang in einer Apres-Ski-Bar in Kitzbühel die Luft aus den Biergläsern.
Mittlerweile wohnt Orlando in Laie, 40 Minuten von Honolulu entfernt, ist mit einer Hawaiianerin verheiratet und genießt die wenige Zeit zu Hause am liebsten lesend am Strand oder beim Bodysurfing. Die meiste Zeit des Jahres ist er aber auf den Klippen dieser Welt anzutreffen. Was ihn immer wieder dazu bringt, von einem vergleichsweise zehnstöckigen Haus zu springen? „Die beste Erklärung dafür ist das Gefühl der Angst vor dem Dive und die Entspannung danach, wenn du wohlbehalten aus dem Wasser auftauchst. Wir gehen knapp an die Grenzen heran und manchmal ein kleines Stückchen darüber hinaus.“ Den höchsten Dive sprang der Mann aus Cali für den Film „9Dives“ – von einer 34m hohen Klippe. „Der Unterschied zwischen 26 und 34 Meter ist riesig. Das Becken ist nur noch so groß wie ein Stecknadelkopf und das Wasser ist hart wie Beton. Ein Fehler und … nicht dran denken.“ Diesen Gewaltsprung und den 10 Punkte Sprung bei der WM 2000, der übrigens im Guinness Buch der Rekorde erwähnt wird - zählt der neunfache Weltmeister zu seinen ganz persönlichen Highlights. „Sieben Judges gaben mir damals die höchste Punkteanzahl; ein unglaubliches Gefühl!“ Gefühl ist im High Diving, wie die Springer ihren Sport auch gerne nennen, generell wichtig. Die Höhe des Absprunges und die Gewalt des Aufpralls machen ein perfektes Körpergefühl absolut notwendig. „Ich weiß genau, ob und wann ich springen kann, aber sobald du aufhörst, dich zu fürchten, lebst du gefährlich.“
Außer vor jedem Sprung fürchtet sich Orlando vor Zollbeamten jeglicher Nationalität. „Wenn ich mit meinem kolumbianischen Pass auftauche, sehen die alle rot“, ärgert er sich kurz, nimmt diese Bürde letztlich mich seiner unglaublichen Gelassenheit. Unruhe und Anspannung sind Begriffe, die im Wortschatz eines Orlando Duques nicht aufscheinen. Außer, wenn ein Sprung unmittelbar bevor steht: Der Herzschlag erhöht sich etwa 15 Minuten vor dem Sprung, um fatale Fehler zu vermeiden fokussiert sich eine Minute vorher alles auf die kommenden Sekunden, Haargummi weg, Augen zu, in der Luft drei Sekunden Ewigkeit verspüren, nur den Rausch der Geschwindigkeit hören, eintauchen, abbremsen, auftauchen, durchatmen.