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Interview Roman Hagara

Roman Hagara, zusammen mit Hans-Peter Steinacher Doppel-Olympiasieger im Tornado-Segeln, will in Peking zum zweiten Mal den Titel verteidigen. Im Interview spricht der 41-Jährige über Probleme in der Vorbereitung, über die Konkurrenz und die Faszination des America’s Cup.

Für Albert Einstein war Segeln ein angenehmer Ausgleich, weil es, so sagte er, „der Sport ist, der die geringste Energie beansprucht.“ Du siehst das wohl etwas anders, oder?

Da weiß ich nicht, wo er gesegelt ist. Körperlich gehört Segeln sicher zu den anstrengenden Sportarten. Vom technischen Standpunkt gebe ich ihm aber recht. Mit genügend Wind und einem Segel geht bei uns schon etwas weiter – Fremdenergie brauchen wir nicht.


Mehr Energie als sonst hat euch diesmal die Olympiaqualifikation gekostet. Warum hat es bei der WM vor Auckland nur für Platz elf gereicht?

Ja, es war das erste Mal, dass wir die Qualifikation erst im letzten Anlauf geschafft haben, und bei der WM hat es auch nicht nach Wunsch geklappt. Am Anfang sind wir leider mit der falschen Taktik gesegelt: Wir wollten kein Risiko eingehen und einfach im Feld mitsegeln. Nach den ersten beiden Wettfahrten haben wir gesehen, dass es so nicht funktioniert, und die Taktik geändert. Bis zu unserem blöden Fehler hat das auch ganz gut funktioniert: Ich bin mit dem Übershirt in der Ruderanlage hängen geblieben und wir sind gekentert – das darf einfach nicht passieren. Zum Glück sind die letzten Wettfahrten wegen Starkwind abgesagt worden, sonst hätte es noch einmal eng werden können, schließlich hatten wir schon unser Streichresultat.


In einem Interview hat euer Trainer Georg Fundak gesagt, dass ihr bis Olympia jeden Tag Segeln leben müsst. Wie lebt man Segeln?

Wir müssen in der Vorbereitung einfach jeden Tag 24 Stunden Segeln im Kopf haben. Uns darüber Gedanken machen, wie wir uns und unser Material noch weiter verbessern können. Da bleibt derzeit das Privatleben auf der Strecke – ich kann jetzt nicht einfach einen Tag zur Erholung wegfahren. 


Wie schaut denn euer Tagesablauf knapp vier Monate vor Olympia konkret aus?

In der Früh steht Entspannungstraining mit unserem Sportpsychologen auf dem Programm. Danach geht es aufs Wasser: Bei einer Regatta haben wir die Wettfahrten, die wir am Abend noch analysieren und auch mit unserem Sportpsychologen besprechen. Wenn wir im Trainingslager sind, kommt zur mentalen Arbeit und den Trainingseinheiten am Wasser noch vier bis fünf Stunden körperliches Training dazu: Radfahren oder Laufen für die Grundlagenausdauer und Beachvolleyball und Badminton für die Beweglichkeit und Koordination.


Gold bei den letzten beiden Olympischen Spielen, im Vorjahr Sieger bei den Pre-Olympics in Qingdao – was steht der dritten Goldmedaille noch im Weg?

15 andere Teams. Man hat zuletzt gesehen, dass das Feld in der Tornado-Klasse immer stärker wird. Einige Teams sind heuer auch schon zum dritten Mal dabei, sind siegeshungrig und wollen nicht wieder von uns besiegt werden. Wir haben zum Glück schon zweimal Gold und wären bei unseren letzten Olympischen Spielen mit jeder Medaille zufrieden.

 

Du hattest bereits Angebote, beim America’s Cup an den Start zu gehen. Steigst du nach Peking um?

Wir sind schon länger mit einigen Teams in Kontakt, bis jetzt stand aber Olympia im Vordergrund. Wenn man als Sportler die Chance hat zu den Olympischen Spielen zu fahren, dann muss man sie auch nutzen. Nach der olympischen Karriere wäre das aber eine interessante neue Aufgabe.

 
Was macht für dich die Faszination des America’s Cup aus?

Es ist einfach eine ganz andere Welt. Das Team ist um einiges größer und auf dem Boot ist viel mehr Technik. Wenn man sieht, wie das ganze Event aufgezogen wird und wie viel Geld hineingesteckt wird, dann muss man sagen, dass es die Königsklasse des Segelsports ist.






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