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Die Geschichte des Skateboarding - Erinnerung an alte Zeiten

Du hast bestimmt „Lords of Dogtown“ gesehen und etwas über Z-Boys gelesen. Du hast schon ein paar 900er miterlebt, und wahrscheinlich wird Shaun White auch bald seinen 1080er stehen. Weitere Meilensteine in der Geschichte des Skateboardens gibt’s hier. Just grind down the memory lane!
Die 1940er

Ungefähr zu der Zeit, als die Alliierten folgenschwer die Achsenmächte in Europa aufmischten und den zweiten Weltkrieg damit weiter vorantrieben, ereignete sich irgendwo auf amerikanischem Boden ein kleinerer, wenngleich sehr bemerkenswerter historischer Vorfall. Zwar ist nicht bekannt, wer es war und wo es genau geschah (Wissenschaftler streiten sich noch heute um die Relevanz der Datierung von Karbon und die Wurzeln des Skateboardens). Und doch hatte ein kleiner knallharter Gangster irgendwo die Frechheit besessen, seiner Schwester die Rollerskates zu klauen, einen davon auseinander zu sägen und die Rollen und Achsen an ein windschiefes 2x4er zu schrauben. Das Skateboard war geboren. Was in den kommenden Jahrzehnten folgen sollte, hatte damals wohl niemand auch nur ahnen können.

Die 1950er-1960er
 
Genau wie der Typ auf dem Schulhof, der für jeden seiner Kumpels eine Dose Red Bull im Rucksack hatte, so erfreute sich auch das Skateboarden in seiner frühen Jugend rasend schnell immer größerer Beliebtheit. Auch aufgrund der immer größer werdenden Fangemeinde der Surfkultur (ein Girl namens Gidget hatte geschworen, es gäbe nichts Besseres, und ganz Amerika hat ihr geglaubt), war Skateboarden die Sportart Nr. 1.

Surfer und solche, die sich an Land in den Städten ohne Zugang zum Meer herumtrieben, waren der Meinung, dass sich die Geschwindigkeit und das Gefühl des Surfens doch eigentlich auch auf die Straße übertragen lassen mussten. Und zwar per Skateboard, ohne dass man dauernd entnervt auf die nächste gute Welle warten musste. Bei Surfunternehmen wie Hobie und Makaha war man sich sicher, dass das Geld hier im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße lag. Also frästen sie aus Ahorn Miniaturversionen ihrer Surfboards für die Massenproduktion.

Dann ging es mit dem Skateboarden auf einmal rapide bergab. Als man sich in Amerika dem nächsten „hippsten“ Trend zuwendete, hielten lediglich ein paar Unverbesserliche das Skate-Feuer am Brennen und surften weiterhin auf ihren vorsintflutlichen Rollbrettern mit Clay Wheels durch die Straßen.

Die 1970er
 
Um 1972 in Venice Beach – ganz in der Nähe des Red Bull Headquarter – wurden eine Hand voll Surf Kids in Jeff Ho’s Zephyr Surf Shop zu echten Plagegeistern, und ein Typ namens Frank Nasworthy verhalf dem Skateboardsport zu einem riesigen Sprung in Richtung Zukunft. Nasworthys Cadillac-Rollen waren die weltweit ersten Rollen aus Urethan. Urethan, ein griffiges Kunststoffpolymer, sorgte dafür, dass das Brett bei radikalen Turns auf der Straße blieb, und es absorbierte die Unebenheiten von Asphalt und Beton, was bei Clay Wheels nie wirklich gut funktioniert hatte.

Im Zephyr Shop hatten Ho und sein Partner Skip Englomb zwischenzeitlich ein paar Kids zusammen getrommelt und sie zu einer Skateboard-Truppe zusammen geschweißt, die ihresgleichen suchte. Mit Urethan-Rollen und jeder Menge Style und Ästhetik im Gepäck läuteten die „Boys from Dogtown“ eine neue Ära des Skateboardens ein. Tony Alva, Stacy Peralta und Jay Adams waren dabei unter den Pionieren, die in einem stetig wachsenden urbanen Umfeld schier unerschöpfliches Skatepotential sahen. Von Gräben über Banks bin hin zu Pools und Hügeln – die Möglichkeiten waren grenzenlos. Dem passionierten Schriftsteller und Skater C.R. Stecyk war klar, dass das, was sich dort in Venice abspielte, weltweit einzigartig war. Zusammen mit dem Top-Fotografen Glen E. Friedman machte sich Stecyk daran, diese Entwicklung für das aufstrebende Skateboarder Magazine in Form von Kurzgeschichten zu dokumentieren, die später als „The Dogtown Chronicles“ bekannt werden sollten.

Gegen Ende der 70er-Jahre erreichte Skateboarden seine zweite Hochphase. Skateparks aus Beton schossen überall aus dem Boden, von San Diego über New Jersey bis nach Kona, Florida. Profiskater wie Tony Alva, “Skateboarder of the Year” 1977 (gewählt vom Skateboarder Magazine), reisten rund um die Welt und lebten wie Rockstars. Zur gleichen Zeit entwickelte ein junger Skater namens Allan “Ollie” Gelfand irgendwo in Florida einen Trick, der den Skateboardsport für immer verändern sollte. Gelfand fand heraus, dass er mit seinem Board auf Skaterampen auch ohne Zuhilfenahme der Hände abheben konnte, indem er die Hebelwirkung und die Vorwärtsbewegung seiner Füße nutzte. Er übte Druck auf das Tail seines Bretts aus während er gleichzeitig seinen Vorderfuß nach vorne zog und sprang. Das Ergebnis war ein Trick, der sich von da an „Ollie“ nannte und bis heute der wichtigste Single-Trick in der Geschichte des Skateboardens ist.

Die 1980er
 
Anfang der 80er-Jahre nahm sich ein weiterer Skater aus Florida, Rodney Mullen, Gelfands Erfindung an und entwickelte sie radikal weiter. Der Freestyle Champion Mullen brachte den Ollie ins Flat und verwendete ihn als Basis für eine ganze Reihe Tricks, die aus dem modernen Streetskating nicht mehr wegzudenken sind. Der Kickflip, Heelflip und 360er-Flip sind nur einige der Tricks, die der Skateboardsport Mullen zu verdanken hat. Höchster Respekt ist Mullen sicher.

1985 brachten Stacy Peralta und sein Geschäftspartner George Powell den Film „The Bones Brigade Video Show“ raus, der das Team von Powell und Peralta vorstellte. Mit dabei waren Mullen und ein komischer, X-beiniger Teenie namens Tony Hawk. Da Skateboarden plötzlich extrem boomte und rasend schnell an Beliebtheit gewann, waren Videos und Magazine die einzige Möglichkeit für Skater im ganzen Land, sich über die neuesten Trends, Tricks und Innovationen zu informieren.

Als die 80er mit ihren Vokuhila-Frisuren und fürchterlichen Neonfarben dem Ende zugingen, war auch Skateboarden wieder an einem Tiefpunkt angelangt. Viele Skateparks wurden geschlossen und Skater somit wieder gezwungen, sich neues Terrain zu suchen. So baute man die Skaterampen einfach in irgendwelchen Hinterhöfen auf, Holz ersetzte Beton, kleine Vert- und Miniramps schossen wie Pilze aus dem Boden. Und die Skater, die der Meinung waren, dass es viel zu wenige dieser Rampen gab, haben ihre Transition Skills einfach auf der Straße zum Einsatz gebracht, wo sie Bordsteine und Banks skateten anstatt Copings und Rampen und Bowls.

Die 1990er
 
Anfang der 90er-Jahre war Skateboarden klein, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Die Industriegrößen der 80er-Jahre starben aus, weil es ihnen nicht gelungen war, sich an einen veränderten Markt anzupassen, der seit dem letzten Boom beträchtlich geschrumpft war. Außerdem veränderte sich das Gesicht der Skateboardens. Streetskaten entwickelte sich zur wichtigsten Disziplin und technisches Skateboarden stand unangefochten an erster Stelle. Die Skaterollen schrumpften von einem 60 mm-Durchmesser in den späten 80er-Jahren auf den kleinsten Durchmesser überhaupt von fast 30 mm im Jahr 1993.

Als Streetskaten immer mehr an Bedeutung gewann, waren manche Communities beliebter und produktiver als andere. Die Szene in San Francisco, die sich immer an der Justin Herman Plaza im Embarcadero zusammenfand, entwickelte sich zum zentralen Punkt und die Mitglieder der EMB Crew waren bald unter den bekanntesten Skatern der Welt. Skategrößen wie Mike Carroll, Henry Sanchez und Jovontae Turner beschritten täglich neue Wege und verschoben die Grenzen des Möglichen immer weiter nach hinten.

Mitte der 90er-Jahre kletterte Skateboarden in der Beliebtheitsskala wieder nach oben. Außerdem fand ein Paradigmenwechsel statt als man in der Szene begann, über den Tellerrand der Skateboard-Eklave Kalifornien hinauszusehen. An der Ostküste sorgten harte Winter mit Schnee und Regen für rauen Asphalt und aufgebrochenen Beton. Die kleinen Rollen und Bretter, die in Kalifornien so beliebt waren, waren für das Skaten an der Ostküste vollkommen ungeeignet. Und da man dort keine Lust mehr hatte, den Trends von der Westküste hinterherzulaufen, gingen die Skater aus Philadelphia, D.C., Boston und New York ihren eigenen Weg. Größere Rollen und Bretter führten auch zu einem simpleren Skateboard-Stil mit Fokus auf Speed, Power und Style statt technische Tricks. Ostküsten-Skater wie Ricky Oyola, Reese Forbes und Jefferson Pang waren der lebende Beweis dafür, dass es in puncto Innovation nicht unbedingt extrem wichtig war, wie oft sich das Board unter den Füßen drehte.

1995 half ESPN (TV-Sender) bei der Ausrichtung der ersten X Games – eine Art Gegenpol zu den Wettkämpfen in den traditionellen Sportarten, die bei den olympischen Spielen oder ähnlichen Veranstaltungen ausgetragen wurden. Skateboarden war und ist immer noch ein fester und einer der beliebtesten Bewerbe bei den X Games.

Während der X Games V 1999 performte Tony Hawk den weltweit ersten 900er auf einem Skateboard. Dies gilt noch heute als einer der herausragendsten Momente in der Karriere von einem der phänomenalsten und einflussreichsten Botschafter des Skateboardsports.

Im gleichen Jahr zierte ein kleiner neunjähriger Bengel – und heutiger Red Bull-Sportler - namens Ryan Sheckler das erste Mal das Cover eines Magazins (die Januarausgabe des Big Brother Magazines), und zwar mit einem Melon Grab Ollie.

2000 bis heute

Zum Beginn des neuen Jahrhunderts erlebte Skateboarden seinen bisher größten Boom. Und dank weit verbreiteter kultureller Akzeptanz, Beliebtheit und Wertschätzung macht dieser Boom auch keine Anstalten, abzuebben. Es werden mehr Skateboards produziert als je zuvor. Skateparks schießen abermals wie Pilze aus dem Boden und die Stadtverwaltungen wissen mittlerweile um die Notwendigkeit, dem wachsenden Interesse von Menschen aller Altersgruppen am Skateboarden Rechnung zu tragen.

Danny Way hatte gezeigt, was in der neuen Megaramp-Disziplin alles möglich war, und Pioniere wie Bob Burnquist und Jake Brown hatten es ihm eifrig gleichgetan und ihre Grenzen immer wieder ausgetestet.

In der Zwischenzeit sind die bisherigen Grenzen des Streetskating aufgehoben. Handrails über 20 Stufen, Monster-Gaps und technisches Skaten mit Style existieren friedlich Seite an Seite. Skater wie Eric Koston Daewon Song und Marc Johnson verschieben die Grenzen des Möglichen kontinuierlich nach hinten ohne in Sachen Ästhetik, Style und Fun Kompromisse einzugehen.

2003 unterschrieb Skate-Phänomen Ryan Sheckler im zarten Alter von 14 Jahren seinen ersten Profivertrag und mischte gleich in seinem ersten Jahr die Contest-Szene gehörig auf. Er gewann den Park-Event bei den Sommer X Games und noch im gleichen Jahr die Street-Bewerbe der Gravity Games und die Slam City Jam-Events.

Auch der damals 17-jährige Shaun White war 2003 zum ersten Mal als Pro unterwegs und erreichte den beachtlichen 6. Platz bei den Vert-Bewerben der Männer bei den Sommer X Games. White, der seit 2000 auch bei den Winter X Games im Snowboarden antritt, ließ nicht locker und fuhr weiterhin mit befreundeten Skatepros, die meistens davon über zehn Jahre älter als er.

2005 gewann Shaun White die Silbermedaille bei den Sommer X Games und war extrem knapp davor, diesen krassen 1080er zu performen, den er schon über 50 Mal probiert hatte. Da White am nächsten dran ist, die „Mutter aller Vert-Spins“ zu stehen, wird er erwartungsgemäß weiterhin Skategeschichte schreiben. Und wer weiß, welche Trümpfe Shaun für die Sommer X Games 2007 im Ärmel hat!

Nachdem Ryan Sheckler 2006 die Silbermedaille bei den Street-Bewerben der Männer einfuhr (er wurde nur knapp von seinem Idol Chris Cole geschlagen), blickt er auf ein produktives und erfolgreiches Jahr zurück. Er fuhr jede Menge Contests und filmte für Videoproduktionen. Sheckler wurde Mitglied im begehrten Plan B Pro Team, und dort stehen die Zeichen für den jungen Shooting Star auf Ruhm und Erfolg.






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