Maschendrahtzaun, Überwachungskameras, Vollzugsbeamte in Uniform. Die Requisiten für ein Knastmovie? – Weit gefehlt. Red Bull Access All Areas hat geladen und drei österreichische Skateboarder, darunter Europameister Philipp Schuster, nützten den modernen Gefängnishof der Justizanstalt Leoben weniger zum täglichen Freigang, als vielmehr zum Skaten. Ein Nachmittag völligen Freiraums in der beklemmenden Umgebung eines Gefängnisses.
Handy abgeben, Personalien angeben und Besucherpass anstecken – das Einlassritual in die Justizanstalt im steirischen Leoben hatte schon etwas Einschüchterndes an sich. Doch der Respekt vor den Gefängnismauern war beim Anblick des architektonisch äußerst ansehnlichen Freiraums für die Häftlinge schnell abgelegt und das Tricksen und Sliden mit dem Skateboard rückte in den Mittelpunkt. Die Planer der 2005 eröffneten Anstalt setzten bei der Architektur mit ungezwungenen und freien Formen neue Maßstäbe: Unterschiedlich und einzigartig gerundete Betonmauern im Spazierhof, die kleine Grünflächen umranden, bildeten aufgrund ihrer einmaligen Beschaffenheit den absoluten Mittelpunkt der Skatesession.
Selbst für Zuschauerraum war gesorgt. Die hofseitigen Zellenfenster waren alsbald gefüllt mit den jeweiligen Bewohnern, die sich von der ungewöhnlichen Show durchaus überrascht zeigten. Einen Europameister hinter Gittern hatten selbst sie noch nicht gesehen. Philipp Schuster sorgte an diesem Dienstagnachmittag für das akrobatische Highlight: Mit dem Skateboard unter den Füßen suchte er auf der schmalen Oberkante des Maschendrahtzauns sein Gleichgewicht, um nur einen Augenblick später einen gekonnten Satz auf den Boden zu tun. Festgehalten von Fotoapparat und Videokamera. „Schließlich will ich allen zeigen, dass ich unbestraft einen Gefängniszaun hochgeklettert bin!“, scherzt der 23-Jährige. Konzentration auf die Bewegung ließ die Athleten Kälte und selbst das Eingesperrt sein vergessen, doch froh, sich nach ein paar Stunden wieder in die Freiheit verabschieden zu können, waren sie alle.
“… sed vitae discimus!”
Auf die Uni gehen schon lange nicht mehr nur Studenten, doch Skateboarder haben sich zur Ausübung ihres Sports– aufgrund des Sicherheitspersonals vor Ort – noch nie dorthin gewagt. Dass Red Bull Access All Areas Skatern Türen öffnet, die ansonsten fest verschlossen bleiben, ist bekannt. Dass die älteste Alma Mater des deutschsprachigen Raumes ihre ehrwürdigen Pforten ausnahmsweise an einem Wochenende dafür öffnet, durften Philipp Schuster und Gleichgesinnte kürzlich erleben.
Treffpunkt Arkadenhof an einem sonnigen Samstag im Mai. Sieben Skater, angeführt vom Österreicher Philipp Schuster und dem Deutschen Mac Mackelton, betreten mit ihren Boards die altehrwürdigen Arkaden der 1365 gegründeten Universität Wien. Dort wo einst Konrad Lorenz oder Viktor Frankl gelehrt hatten und Papst Pius III. oder Sigmund Freud ihre akademischen Ehren erlangt hatten, waren sie eingeladen, mit ihren Flips, Tricks und Slides Antikes mit Trendsport zu vereinen.
Die Idee für den Spot war vom österreichischen Skateboard-Aushängeschild Philipp Schuster gekommen. Am Portier vorbei schleichen und so die „heiligen Hallen“ mit dem Skateboard zu befahren war nicht möglich und so wählte man den offiziellen Weg über den Direktor. Einen positiven Bescheid in den Händen, eröffnete sich ein Hof der ungeahnten Möglichkeiten. „Atmosphäre, Sonne und ein optimaler Boden machen diesen Platz perfekt“, schwärmt nicht nur der Wiener „Skateboard Rookie des Jahres 2006“, sondern auch das restliche halbe Dutzend.
642 Jahre musste die Universität Wien alt werden, um einen Nachmittag lang gediegene Kulisse und spektakuläre Location für die Jam Session einer Handvoll Skater zu sein. „Wir konnten hier tun, was uns ansonsten verwehrt bleibt: Mit dem Skateboard über diesen Boden rollen und uns an den diversesten Möglichkeiten vergnügen“, so das positive Resümee der Brettartisten.
Geladene Skater
1. Philipp Schuster (AT - Wien)
2. Mac Mackelton (De/US)
3. Daniel Spiegel (AT - Wien)
4. Mario Wirnsberger (AT - Graz)
5. Niki Truppe ( AT - Graz)
6. Ben Wessler (De)
7. Michi Mackrodt (De)
Holzwürmer einmal anders
Beide Parteien haben sich ihnen verschrieben, wenn auch jeder auf seine ganz individuelle Weise. An diesem Wochenende haben sie gemeinsame Sache gemacht und sich in einer Welt aus Brettern wieder gefunden. Auf dem Areal von Binder Holz in Fügen im Zillertal durften die Skater des Red Bull Access All Areas nach Herzenslust ihrer Passion frönen.
Zwischen meterhohen Holzstapeln, über geschälte Baumstämme und durch riesige Greifarme zeigten Skateboarder aus ganz Österreich, dass Kreativität keinerlei Grenzen hat. Mit ein bisschen Zupacken – der zu Hilfe kommende Greifer transportiert den mannshohen Baggerreifen kinderleicht – funktionierte die AAA-Crew gemeinsam mit den Mitarbeitern der Firma BINDER HOLZ das Areal kurzerhand zum Skatepark der Superlative um. Somit konnte neben Asian X-Games Gewinner Philipp Schuster auch der Innsbrucker Manuel Margreiter einen backside Flip und 360 Flip durch die mächtigen Arme des Greifers zeigen und der Kärntner Andi Fugger Anerkennung für einen gelungenen frontside Flip ernten. Vom Regen in die Lagerhalle vertrieben, bildeten alsbald zwei Frontstapler samt Auflage die Basis für den nächsten Spot. Nimmermüde beim trickreichen Jump über die Rampe hinauf auf die überdimensionalen Paletten erwies sich die stetig wachsende Zahl der Teilnehmer. Zu den geladenen Brettartisten auf Asphalt gesellten sich auch einige aus der Schneebranche. Die im Zillertal beheimateten Snowboarder Friedl Kolar und Chris Kröll ließen sich nicht lange bitten und stellten klar, dass wahre Ästhetiker nicht nur im Schnee zu Hause sind.
Hoch hinaus ging es für die Skater bei der kulinarischen Verpflegung: 16 Meter über dem Boden – in der SichtBar– der Gastronomie im FeuerWerk – konnten sich alle von den vergangenen Stunden erholen und sich für die bevorstehende Mini-Bike-Session vor den Toren des FeuerWerks stärken. Mit der Österreich Premiere der Red Bull Skate Shot DVD - in der Juni Ausgabe des Playboards erhältlich - ließ man den Abend schließlich ausklingen.
"Ein genialer Abschluss für ein spektakuläres Wochenende“, waren sich am Ende des AAA Stopps alle Beteiligten einig. Zu Autobahn, Stahlwerk und Wienkanal gesellte sich auch nun auch das Binder Holz Areal als nicht ganz alltäglicher Schauplatz einer Eventserie, deren Absicht es ist, die Ausnahme von der Regel darzustellen.
Auf den Spuren des Dritten Mannes
Was macht man in einem acht Meter hohen, drei Kilometer langen Abwasserkanal? Skaten! Vier Unerschrockene zogen aus, um die Wiener Unterwelt zu erobern. Die Mission war klar: Finde den außergewöhnlichsten Spot, den du dir vorstellen kannst, verschaffe dir Zutritt und fahre eine Session. Red Bull Access All Areas begab sich auf die Spuren des Dritten Mannes, um neun Stockwerke unter der Erde den perfekten Spot zu finden. Eine Full Pipe! Roman Hackl, Jürgen Horrwarth, Roman Astleitner und Oliver Gordon trauten ihren Augen nicht. Tief unter der Erde schlummerte sie und wartetet nur darauf, aus dem Schlaf gerissen zu werden. Die Walls waren ideal, als hätte der Ingenieur die Röhre eigens fürs Skaten entworfen. Nachdem für das nötige Licht gesorgt war konnte es auch schon losgehen. Roman überzeugte mit soliden Transition Skills, Asti machte Höhe, Oliver spielte seine technischen Tricks aus und Jürgen floatete durch die Rundungen. Der erste Spot erlaubte den Jungs die Pipe voll auszufahren. Vor den ungläubigen Blicken der Grubenarbeiter nutzten sie die perfekte Transition, um ihr Können unter Beweis zu stellen.
Einzig Jürgen, der extra aus Deutschland angereist war, musste bei einem Sturz feststellen wie umbarmherzig die Wiener Unterwelt sein kann – er nahm sich erst einmal eine Auszeit. Ein Nebenschacht diente als weiterer Spot und musste schließlich als Coping herhalten. Angesichts solch vollkommener Skatespots in seiner Heimatstadt schlug Roman’s Skater Herz höher und er legte mit „flips to fakie“ über „blunts“ bis hin zu „bigspins“ einiges vor. Aber auch die anderen Protagonisten packten ihre Fähigkeiten aus. Oliver setzte „pop shovits“ und „flips to 5-O“ in die Röhre, während Asti mit unglaublich viel Speed „tailslides“ und „transfers“ zeigte. Wo morgen 110.000 Kubikmeter Wasser fließen werden, wurde heute geskatet. Das nasse Element wird alle Spuren der einmaligen Session verwischen und nur ein paar Zeugen können sagen: Wir haben die Wiener Unterwelt bezwungen!
Ein Nachmittag in Linz
In Linz beginnt’s – dem Stadtmotto treu bleiben selbst die Skater der AAA Eventserie. Und so fand der Kick-Off der Access All Areas Veranstaltungen in Österreich eben dort statt. Die Location - das pochende Herz der Stadt, die Voest Alpine.
Fünf geladenen Skateboardern – Österreichs Aushängeschildern Phillip Schuster, Roman Astleitner, Rudi Kirchmair, Andreas Fugger und Nachbarslandbewohner Tobi Albert aus Deutschland – wurde die einmalige Chance zuteil, die monströsen Hochöfen und Brennanlagen des Stahlriesen zur Nebenerscheinung zu degradieren.
Die Auswahl an Spots scheinbar grenzenlos, entschied man sich vor Ort für den Metall schmelzenden Hochofen als Starter: 1 ½ Stunden skaten vor tonnenweise flüssigem Metall ließ den einen oder anderen Stahlarbeiter sich schon mal von seinem üblichen Arbeitsplatz entfernen und über das Gebotene staunen. Nicht grundlos, selbstverständlich, denn dieser erste Spot gefiel speziell Andi Fugger, der beinahe einen bs tailslide über den Bahnwaggon stand.
An den Breitbandanlagen, die aus Stahlplatten dünne, lange Stahlbänder werden lassen, liefen die Jungs zur Höchstform auf. Die spektakulärste aller Locations an diesem Nachmittag nahm satte drei Stunden und so einiges an Skate-Highlights in Anspruch. Der kick flip bs flip von Tobi Albert oder derkick flip bs 50/50 von Fuggi sind nur zwei dieser zahlreichen. Zum Teil im Dunst des Wasserdampfes verhüllt und in gefährlicher Nähe des glühenden Stahls brachten die Skater das Rail zum Rotwerden.
In der Verzinkungsanlage standen Zinkblock und Stahltisch zum drauf-, drüber- und runterspringen und allerlei sonstigen Tricks und Flips bereit. Der Applaus der Arbeiter galt auch an diesem letzten Obstacle den Jungs auf den Boards. Offiziell lief der Betrieb während des AAA-Events normal weiter, doch unbändige Hilfsbereitschaft und Neugier hielt den Workflow an diesem nebligen Nachmittag etwas auf. Für die fünf Skater hieß es mit Einbruch der Dunkelheit Abschied nehmen von einem einmaligen Erlebnis in einmaliger Location.
Dem ersten sollen zumindest drei weitere AAA’s in Österreich folgen, Ende nächsten Jahres folgt die DVD mit den Highlights aus Deutschland und hierzulande.