Red Bull Photofiles -Rutger Pauw

Red Bull Mannymania 2007 - Eine Retrospektive

High Tech Finale im Big Apple Wenn man Namen wie Chico Brenes, Ronnie Creager, Chris Roberts, Kerry Getz Dennis Busenitz, Joey Brezinski, Jereme Rogers, Jason Dill, Colin McKay, Zered Bassett oder Kenny Anderson liest, würde man vermuten, dass es sich um eine „Best of Streetskating“- Ausgabe eines Skatemags handelt.

In diesem Fall weit gefehlt, denn die genannten Herren bilden nur einen kleinen Teil des hochklassigen und 21 Mann starken Starterfeldes beim Finale der Red Bull Manny Mania Serie 2007 in New York City. Der Coleman -Park in der „Big City of Dreams“ stellte für mehr als tausend Zuschauer die Kulisse, um den Abschluß einer Contest-Tour quer durch die Staaten Nordamerikas zu hosten.

Während sich andere nationale Contests um ein glitzerndes, TV-kompatibles Event-Konzept bemühen, hat man mit Red Bull Manny Mania ein anderes Ziel verfolgt und versucht Skateboarding so darstellen, wie es nicht nur für Puristen und Nostalgiker in der heutigen Zeit wünschenswert ist. „Back to basics“ könnte Joey Brezinski`s Leitsatz gewesen sein, als er das Manny Mania-Format entwickelte und den ersten Contest im Mai in Venice Beach hostete. Welche Location wäre für den Auftakt einer Tour besser geeignet, als der aus einer Vielzahl von Videos bekannte „B-Ball Court“ an der Strandpromenade von Venice.

Im Format eines Invitationals konnten die 16 geladenen Rider in vier Heats im Jam-Session-Modus auf den verschiedensten Street Obstacles ihre Tech-Skills unter Beweis stellen. Als strahlender Sieger ging hierbei Red Bull Fahrer und Local Joey Brezinski unglaublichen Tech-Trick-Varianten hervor und verwies somit Chico Brenes und Daniel Castillo auf die Plätze zwei und drei.

Ein gelungener Auftakt für sechs folgende Amateur Tourstops quer durch Amerika, von Denver über Austin nach Tampa. Um der neuen Eventserie einen krönenden Abschluss zu bereiten, wurde das Final wie auch schon das Eröffnungs-Event als Invitational geplant und an altehrwürdiger Stelle realisiert: Dem Coleman Skatepark unter der Manhattan Bridge im Big Apple. Hier fanden sich tausende Skater am 12. August 2007 zum Finale des Red Bull Manny Mania ein. Alleine anhand dieser Tatsache konnte man feststellen, dass diese Contest-Serie schon bei allen vorherigen Stops ein voller Erfolg war. Denn gerade die Rider der amerikanischen Ostküste sind ja bekanntlich überaus eigensinnig und wählerisch, wenn es um Skateboarding im Generellen und um Events in den eigenen Städten im Speziellen geht. Die Tatsache, dass sie in Scharen angereist waren, um bei dieser Competition dabei zu sein, ist Beweis und Rechtfertigung genug für die Qualität und Authentizität des Formats.

Der Vorschlag des Red Bull-Riders Joey Brezinski, einen Contest zu veranstalten, der auf Manual-Tricks basierte hatte sich deutlich und erfrischend von allen anderen Ideen und Konzepten abgehoben, die entwickelt worden waren, um das „wahre“, das „echte“ Skaten zu pushen. Genau aus diesem Grund sollte die Serie auch an Plätzen, die diese Art von Skateboarding verkörpern ihren Anfang und auch ihr Ende nehmen. Ronnie Creager formulierte es ganz treffend, als er sagte: „Das war pures, reines Skateboarding. Die ganzen anderen Skate-Contests, an denen ich teilgenommen habe, waren ziemlich kommerziell und Mainstream mit monströsen Jumps. Dieser hier war dezent, familiär und chillig. Ich hatte das Gefühl, wir waren einfach nur am Cruisen und sind wirklich Skateboard gefahren, anstatt nur irgendwelche Routine-Runs abzuspulen. Einfach cool.“

Skater aus aller Herren Länder sind am Samstag zum Banks Jam und am Sonntag zum Manny Mania zusammen gekommen. Genau so müssen sich die Anfänge der Hip Hop-Bewegung angefühlt haben, es war fast wie in einer Szene von The Warriors – an einem Tag versammelten sich tausende Skater an den Banks, am nächsten Tag unter der Manhattan Bridge. So etwas hatte man noch nie erlebt. Die Zuschauer kletterten tatsächlich über Zäune und auf Brückenpfeiler, um bessere Sicht zu bekommen und ihren Skate-Ikonen zusehen zu können. Einige der ganz Großen waren mit von der Partie, um sich vor Ort mit den Local Heroes zu messen. Und alle waren aus demselben Grund gekommen: Aus purer Liebe und Leidenschaft fürs Skaten.

Man stelle sich vor, dass z. B. Brandon Biebel für einen Tag von Barcelona nach Sacramento flog bevor er sich gleich wieder in den Flieger nach New York setzte, nur um bei diesem Happening dabei zu sein. Und er gab extrem Gas. Brandon landete am ende des Tages auf dem zweiten Platz und zeigte sich unglaublich nett und locker mit den ganzen Kids vor Ort. Bereitwillig gab er Unmengen Autogramme auf Decks und T-Shirts und posierte für Fotos mit allen, die danach fragten. Highlight für einige Kids war dabei sicherlich, dass Brandon ihnen seinen Pokal in die Hand drückte und sie sich mit der Trophäe verewigen konnten. Wie nett, oder?!

Trotz der Menschenmassen vor Ort, hatte das ganze Wochenende einen sehr persönlichen und familiären Touch. Und es hatte den anwesenden Pros ebenso viel Spaß gemacht wie den ganzen Kids. Oder wie Brandon Biebel so schön sagte: “Es waren so viele super Fahrer am Start, da hat es mir tatsächlich genau so viel Spaß gemacht, zuzuschauen wie selbst zu fahren. So eine wahnsinnige Dichte von krassen und perfekt gelandeten Trick habe ich selten gesehen.“

Aufgrund des unerwarteten Ansturms an Pro-Fahrern war die Eventleitung kurzerhand gezwungen, den Contestmodus anzupassen, um alle 21 Teilnehmer unterzubringen. Nach einer ersten Jam-Session blieben neun Fahrer übrig, die dann in einer Art Halbfinale gegeneinander antraten. Die Halbfinals wurden in drei Heats mit je drei Fahrern durchgeführt, wobei sich hier Joey Brezinski, Brandon Biebel und Ronny Creager durchsetzen konnten und zum Overall-Final in einer letzten Jam-Session gegeneinander antraten.

Joeys Leistung hatte nach einem langen Tag in der prallen Sonne etwas nachgelassen. Biebel war zwar eher verhalten gestartet, hatte aber dann mächtig Gas gegeben, doch Ronnie Creager war einfach unbesiegbar. Er landete fast jeden seiner Tricks perfekt und war zum Schluss um ganze 10.000 US-Dollar reicher. Während der Siegerehrung hatten wir einen Blick auf die Trickliste der Judges im Finale geworfen. Auf dem Blatt war schlichtweg nicht genug Platz für alle Tricks, die Mr. Creager in seinem finalen Heat performte.

Am Ende war der Drittplatzierte und Kursdesigner Joey Brezinski mehr als zufrieden: „Ich bin komplett begeistert davon, wie der Contest verlaufen ist und kann kaum glauben, dass die ganzen coolen Jungs hier mit dabei waren und den Event zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Den ganzen Tag wurden wirklich krasse und haarige Sachen gefahren und mein Ziel war es, den Kids das näher zu bringen.“  

Dieses Wochenende wird allen, die mit dabei waren, als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleiben. Leider hat keiner der Skater mit seinem Board eine Ratte erschlagen, sozusagen als Erinnerung an die guten alten Zeiten der Brooklyn Banks-Contests in den 90er-Jahren. Doch als schließlich das Preisgeld überreicht wurde und alle anwesenden Skater unter der Brücke über die Absperrungen sprangen, sich wie tollwütig auf den Kurs stürzten, nur um einen Run auf den Manny Pads zu fahren, war klar, dass dies ein denkwürdiger Moment im Skateboarding war. Was will man da noch mehr?
 

ENDERGEBNISSE:

1. Ronnie Creager USD10.000
2. Brandon Biebel USD6.000
3. Joey Brezinski USD4.000
4. Eli Reed USD3.000
5. Malcolm Watson USD2.000
6. Jereme Rogers USD1.000
7. Kenny Anderson USD1.000
8. Dennis Busenitz USD1.000
9. Forrest Kirby USD1.000






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