Neues Auto, frisches Selbstvertrauen: Sein fünfter Platz in Monte Carlo macht Sebastian Vettel optimistisch für die kommenden Rennen. Wie den Jungbullen Mäuse und Schweine beeinflussen und was er vom nächsten Bewerb, seinem ersten GP von Kanada, erwartet, gab er im Interview zu Protokoll.
Lass uns das Interview mit ein paar Behauptungen beginnen. Die erste: Dein unglücklicher Saisonbeginn mit vier Ausfällen und einem letzten Platz hing damit zusammen, dass du zu Jahresbeginn dein oft zitiertes Glücksschwein verloren hast.
Nein, ich habe es noch. Vielleicht brauchte es mal eine Pause.
Behauptung Nummer zwei: Deinen Erfolg im Regen-GP von Monaco verdankst du deiner Vergangenheit im Kartsport: Da bist du nämlich auch bei Nässe mit Slicks gefahren und hast dir so deine außergewöhnliche fahrerische Geschicklichkeit antrainiert.
Ich fahre gerne im Regen, das stimmt. Aber in Monaco ist der Schlüssel zum Erfolg noch viel simpler: Du darfst dir einfach keine Fehler erlauben.
Jene Fahrer, die sich im Regen gerne den einen oder anderen Fehler erlauben, argumentieren, dass man Motorsport lieber nur auf trockener Fahrbahn austragen sollte. In den amerikanischen Rennserien wie NASCAR oder Champ Car ist das ja bereits der Fall.
Kompletter Blödsinn. Ein Rennfahrer muss auch mit nassen Straßen zurecht kommen.
Welchen Anteil hatte denn dein rennfahrerisches Können an deinem Erfolg in Monaco – und welchen der neue STR-3?
Es gibt da ein paar sogenannte Experten, die das sicher besser beurteilen können als ich. Ich konzentriere mich lieber aufs Fahren.
Die dritte Behauptung: Für die Reifung eines jungen Sportlers, der mit 20 Jahren in die Formel 1 kam, gleich einen Weltrekord aufstellte und von allen Seiten in den Himmel gelobt wurde, ist eine kleine Durststrecke gar kein Nachteil.
Tatsächlich? Ich weiß nicht, ich wäre auch ohne die Probleme ausgekommen.
Hast du ein ganz persönliches Rezept, mit Niederlagen, aber auch mit Erfolgen umzugehen?
Ein wenig Spektakuläres: Ich analysiere jedes Rennen ganz objektiv, unabhängig von seinem Ausgang. Und ich sehe immer nach vorne, nie zurück.
Welche Erwartungen und welche Ziele hast du für den Rest der Saison?
Als erstes möchte ich sie genießen. Zweitens mehr Punkte sammeln und ein paar gute Rennen hinkriegen.
Erstmals seit vielen Jahren wird es neben Monte Carlo auch Stadtrennen in Valencia und Singapur geben. Was bedeutet das für dich und die Scuderia Toro Rosso?
Nichts Außergewöhnliches, schätze ich. Für uns ist jedes Rennen gleich wichtig, egal auf welchem Kurs es ausgetragen wird.
Der nächste GP ist aber der in Kanada. Ein interessanter Kurs?
Ich war letztes Jahr dort, hatte aber leider keine Gelegenheit, Probe zu fahren. Es ist jedenfalls ein sehr hübsches Plätzchen.
Lass uns zum Abschluss noch ein paar andere Behauptungen abhaken: Du hättest eigentlich Ryan heißen sollen ...
Ja, aber meine Eltern sind im letzten Moment noch auf Sebastian umgeschwenkt.
... hast Angst vor Mäusen ...
Das stimmt.
... und wurdest von deinen Lehrern gehasst, weil du im letzten Jahr täglich im Dienst-BMW in die Schule gekommen bist.
Nein, die kamen damit eigentlich ganz gut klar. Beim Abitur hat es dann auch noch zu einem Schnitt von 2,8 gereicht.