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Interview mit Sébastien Loeb -

Dreimal im Ziel, dreimal Sieger: Sébastien Loeb dominiert auch 2008 die Rallye-WM – obwohl er im Augenblick nach Punkten zurückliegt. Warum er schon bei der Sardinien-Rallye die Gesamtführung zurückerobern könnte und wieso in diesem Leben kein Formel-1-Fahrer mehr aus ihm wird, verriet er in diesem Interview.

Vom 16. bis 18. Mai findet die Sardinien-Rallye statt. Liegt sie dir gut genug, um die fünf WM-Punkte aufzuholen, die du seit deinem unglücklichen Unfall in Jordanien im Rückstand liegst?

Anfangs mochte ich diese Rallye nicht besonders: Nichts als lange Geraden, das ist für einen Fahrer keine Herausforderung. Aber letztes Jahr wurden eine Menge Verbesserungen vorgenommen. Die Sonderprüfungen sind jetzt länger und sorgfältiger geplant, dadurch bin ich wieder auf den Geschmack gekommen. Dazu kommt, dass das Wetter meistens gut ist und die Lebensqualität in diesem Land wundervoll.


Steigt die Lebensqualität auch, wenn man regelmäßig Komplimente wie „der Michael Schumacher des Rallyesports“ bekommt?

Natürlich ist es schmeichelhaft, mit solch einem großen Champion verglichen zu werden ... Aber ich habe noch ein bisschen Arbeit vor mir, bis ich mit seiner Anzahl von Weltmeistertiteln gleichziehen kann.


Ein Schumacher, ein Loeb zu sein – führt das nicht irgendwann auch zu Motivationsproblemen, wenn man irgendwann an den Punkt kommt, alles schon einmal gewonnen zu haben?

Das werde ich oft gefragt. Aber mir gefällt das Gewinnen einfach zu sehr, als dass ich genug davon bekommen könnte. Sollte irgendwann der Tag kommen, an dem ich nicht mehr genug Motivation spüre, werde ich aufhören oder etwas anderes machen. In diesem Jahr zum Beispiel haben wir die Chance, uns den fünften Titel in Folge zu schnappen. Das wäre ein Weltrekord, weil es so etwas im Rallyesport noch nie gegeben hat. Das motiviert!


Marcus Grönholm machte dir in den vergangenen Jahren das Leben ganz schön schwer. Um ihn zu besiegen, musstest du regelmäßig dein ganzes Können aufbieten. Nun, nach seinem Rücktritt, müsste der fünfte WM-Titel ja eigentlich ein Spaziergang für dich sein?

Marcus war ein großartiger Gegner, und ich habe unsere Duelle sehr genossen. Aber ich wusste von Beginn der Saison an, dass es heuer nicht so leicht werden würde, wie die Leute denken. Latvala zum Beispiel hat großes Potential und tollen Speed gezeigt. Hirvonen ist ein sehr erfahrener Pilot. Solbergs Auto wird immer besser, Atkinson fährt sehr konstant und Sordo wird auf Asphalt schwer zu schlagen sein. In diesem Licht betrachtet sieht es für mich nicht mehr so einfach aus.


Du bist einer von wenigen Rallye-Piloten, die auch auf geschlossenen Rennstrecken schnell sind. Im Dezember 2007 bist du ein Formel-1-Auto Probe gefahren. Wie viel Spaß hat dir das gemacht?

Großen. Für mich war das ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Eine Runde in einem Formel-1-Auto wollte ich ja schon immer einmal ausprobieren, darum war es wirklich cool, als ich die Chance dazu erhalten habe. Ein wenig Rundstreckenerfahrung hatte ich ja bereits von meinen zwei Le Mans-Teilnahmen, ganz neu war die Erfahrung für mich also auch wieder nicht.

 
Wäre das eine Karriere-Option für dich: in zwei, drei Jahren in die Formel 1 umzusteigen?

Oh nein. Ich bin zu alt, um in einer so anspruchsvollen Disziplin bei Null zu beginnen.


Vor deinem ersten Start in Le Mans 2005 gab es Gerüchte, dass du dich mit Playstation-Spielen darauf vorbereitet hast. Die Wahrheit oder nur eine hübsche Geschichte?


Nein, ich habe den Kurs tatsächlich so gelernt. Ich hatte ja beinahe keine Erfahrung, so habe ich mich zumindest ein bisschen vorbereiten können.

Was hat denn in Le Mans am meisten Spaß gemacht: Das Tempo, die Atmosphäre, oder dein Podiumsplatz 2006?


Wenn du das erste Mal am Start stehst, bist du vom Tempo und dem unglaublichen Anpressdruck beeindruckt, den du beim Rallyefahren in dieser Form nicht kennst. Außerdem ist Le Mans ein ganz besonderes Rennen mit einer speziellen Atmosphäre – ein weltberühmter Event, der die unterschiedlichsten Menschen anzieht ... Dass ich 2006 am Podium stehen durfte, war eine großartige Erfahrung für mich. Es fühlte sich fantastisch an, dass mir Henri Pescarolo die letzte Runde überließ, die Fahrt über die Ziellinie.


Was sind die größten Unterschiede zum Rallyefahren: Die höhere Geschwindigkeit? Die komplexere Technologie? Der zusätzliche Stress für den Körper?

Das Tempo in manchen Kurven vor allem, und die Tatsache, dass du dich in einem Feld bewegen musst – bei einer Rallye kämpfst du ja alleine gegen die Uhr. Außerdem beanspruchst du andere Körperpartien und Muskeln, das macht es auch schwieriger. Am Beginn hatte ich große Probleme mit meiner Nackenmuskulatur, das hat mir ganz schön zugesetzt.


Ist dir in Le Mans dein Co-Pilot Daniel Elena abgegangen?

Nein, es war gut, einmal ein bisschen Urlaub von ihm zu haben ... (lacht) In Wirklichkeit war er beide Male dabei, um mich anzufeuern.


Wie muss man sich euer Verhältnis denn vorstellen? Seid ihr befreundet, oder ist es ein striktes Arbeitsverhältnis?

Wir arbeiten zusammen, aber wir sind auch Freunde. Wir wohnen ja nur fünf Kilometer voneinander entfernt und unternehmen auch in unserer Freizeit gelegentlich etwas miteinander. Er ist ein lustiger Typ und denkt immer positiv.


Auf YouTube habe ich eine witzige Szene aus einer alten Mexico-Rallye gefunden: Daniel versucht, das Auto in Balance zu halten, was nicht ganz einfach ist, weil euer rechtes Hinterrad fehlt. Gibt es noch mehr ähnliche Stories?

So etwas kann heute nicht mehr passieren, weil man heute nicht mehr auf drei Rädern fahren darf. Damals war es aber noch erlaubt, und wir haben uns auf Biegen und Brechen bis ins Ziel der Sonderprüfung durchgeschlagen, damit die Service-Crew unser Auto reparieren konnte. Einmal sind wir sogar auf zwei Rädern ins Ziel gekrochen (ehrlich gesagt, war das der Grund, warum das Reglement geändert wurde). Das war 2006 in Griechenland und ein echtes Abenteuer.

Einmal haben wir auch einen Stier erwischt (Ups, sorry!). Er stand in der Mitte der Straße und machte keinerlei Anstalten zur Seite zu gehen. Ich habe noch versucht, auszuweichen, aber vergeblich. Wir haben ihn zwar umgestoßen, aber scheinbar ist ihm nicht allzu viel passiert. Denn als der nächste Fahrer ankam, war keine Spur mehr von ihm zu sehen ...






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