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Interview mit Andreas Aigner
Die Rallye-Welt bescheinigt dir Speed, Talent und eine gewisse Tendenz zum Pechvogeltum. Warum hat’s gerade in Argentinien geklappt?
Ich war auch bisher immer vorn dabei, aber wenn ich mal einen Fehler mache, erwischt es mich immer gleich richtig: Wenn man wegen eines Patschen 18 Minuten verliert, geht nachher eben nichts mehr. In Argentinien hat aber alles gepasst: Ich habe keine Fehler gemacht, gleich am ersten Tag die Führung übernommen und es mir gut einteilen können. Mir sind aber auch die Verhältnisse entgegengekommen: Neblig war’s und rutschig, da haben die Einheimischen auch nichts von ihrem Heimvorteil.
„Aigner muss taktisch klüger fahren“, hat dein Teamchef Raimund Baumschlager verlangt. Wie fährt man taktisch klüger, ohne dabei Speed zu verlieren?
So, dass das Auto auch als Ganzes im Ziel ankommt. Darum bin ich ja so froh über die neuen Hartreifen, die kommen meinem aggressiven Fahrstil entgegen, weil sie nicht mehr so leicht kaputtgehen. Taktisch fahren kann man aber letztlich nur, wenn man einen Vorsprung hat, so wie ich in Argentinien: Da bin ich teilweise so vorsichtig durch die Wassergräben gefahren, dass sich das Publikum schon gewundert hat. Am Sonntag hatte ich ständig Angst, zu langsam zu sein, aber Raimund hat mich über Funk über die Abstände am laufenden gehalten.
Vor Argentinien hat Baumschlager schon ein bisschen über deine Ergebnisse gegrantelt, vor der Saison war nicht einmal dein Cockpit fix. Bist du einer, der erst am Abend vor der Entscheidungsprüfung die Bücher in die Hand nimmt?
Ganz bestimmt nicht, seit Griechenland 2007 waren Leistung und Speed ja auch immer da. Mehr Druck als alle anderen hab’ ich mir definitiv selber gemacht. Jetzt habe ich endlich gezeigt, dass ich eine Rallye perfekt durchfahren kann. Jetzt muss ich hart weiterarbeiten, noch intensiver trainieren, noch genauer besichtigen.
Seit neuestem startet auch Sébastien Loeb, so etwas wie der Michael Schumacher des Rallyesports, für Red Bull. Was kann er besser als die anderen - und wie viel davon kann man sich abschauen?
Auch Loeb macht Fehler. Aber in der nächsten Kurve ist er wieder dabei, während ein anderer nach einem Fehler erstmal drei Kurven weg vom Fenster ist. Ich glaube, es ist diese mentale Stärke, die man sich zum Vorbild nehmen sollte.
Auf welche Vorteile der Red Bull-Citroen-Synergie hoffst du denn für dich persönlich?
Natürlich spekuliert man, dass da irgendwelche Türen aufgehen, aber in erster Linie zählen konstant gute Resultate. Fahre ich schlecht und bringe nicht meine Leistung, werde ich sicher kein WRC-Cockpit bekommen, nur weil ich von Red Bull bin.
Deinen nächsten P-WRC-Lauf bestreitest du vom 29. Mai bis 1. Juni in Griechenland. Eine Rallye, die dir liegt?
Absolut, ich war dort ja im Vorjahr auch Zweiter. Man kann in Griechenland nicht überall Vollgas geben, sondern muss intelligent fahren, das liegt mir. Griechenland ist für die Meisterschaft bestimmt vorentscheidend.
Und in der Zwischenzeit ...?
... sammle ich Rennkilometer bei der Portugal-Rallye. Die zählt zwar „nur“ zur IRC, ist aber stark besetzt und sehr anspruchsvoll - und eine ideale Vorbereitung auf Griechenland und die Türkei, weil die Straßenverhältnisse sehr ähnlich sind.