Bernhard Spöttel/Red Bull Photofiles

Interview Ortner

Am 6. September startet Wendelin Ortner zum 21. Mal beim Red Bull Dolomitenmann. Im Interview spricht der Fluglehrer aus Osttirol über Siegchancen, unvergessliche Momente und den Beginn seiner Karriere beim härtesten Extremsportwettbewerb der Welt.

Du warst bislang bei allen Austragungen des Red Bull Dolomitenmann dabei. Was macht für dich die Faszination aus?

Am Red Bull Dolomitenmann taugt mir, dass es ein Teambewerb ist, der sich aus spannenden Einzelbewerben zusammensetzt. Ein besonderer Anreiz sind auch die Trophäen, die Jos Pirkner entworfen hat. Nachdem ich die gesehen habe, war mir klar, dass ich so eine unbedingt haben muss. Mittlerweile habe ich einige gewonnen, einige mit Siegern der einzelnen Bewerbe getauscht und jetzt steht aus jeder Disziplin ein Siegerpokal zu Hause.


Was war dein bisher schönstes Erlebnis, das du dem Red Bull Dolomitenmann verdankst?

Der Premierensieg bleibt einem natürlich in Erinnerung, aber auch die erste Teilnahme war unvergesslich. Damals bin ich bei den Paragleitern Fünfter geworden, und unser Team war im guten Mittelfeld. Und das, obwohl mein Material nicht das beste war und mein Bruder mit einem Damen-Citybike mit Gepäcksträger an den Start gegangen ist. So etwas wäre heute unvorstellbar.


Und was war das schlimmste Erlebnis?

Tiefpunkt war sicher 1999, als meine Mutter von einem Paragleiter gerammt wurde. Sie wurde mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Spital gebracht und musste einige Male am Arm operiert werden. Sie hat es aber recht locker genommen und im Nebenzimmer gleich den Piloten besucht, weil er ihr so leid getan hat.


Wie man schneller paddelt, radelt oder läuft, ist auch für Laien nachvollziehbar. Aber wie beeinflusst ein Paragleiter den Erfolg seiner Mannschaft?

Wenn das Material der Konkurrenz genauso gut ist, wie das eigene, dann kann man in der Luft kaum Zeit gut machen und muss auf Fehler der anderen warten. Wir haben aber zwei Laufstrecken zu absolvieren, wo man Zeit aufholen kann. Nach der Zwischenlandung kann auch noch einiges passieren: Man muss den Schirm schnell und gut packen, damit man beim zweiten Start gut wegkommt und nicht durch Knoten in den Leinen unnötig Zeit verliert.


Was sind die Unterschiede zwischen einem „normalen Flug“ und einem „Wettbewerbsflug“?

Bei einem „normalen Flug“ geht es darum zu genießen, die Thermik auszunützen und möglichst lange in der Luft zu bleiben. Bei einem „Wettbewerbsflug“ sollte man möglichst schnell wieder unten sein – da zählen Zehntelsekunden. Bei Trainingsflügen in den Dolomiten ist es oft schade, wenn man die optimalen Bedingungen nicht für einen ausgiebigen Flug nutzen kann.


Im Vorjahr war euer Team vom Pech verfolgt: Markus Kröll ist mit einem doppelten Bänderriss im Knöchel gelaufen, Paddler Harald Hudetz mit einer Bänderverletzung, Mountainbiker Roland Stauder mit Fieber angetreten. Du warst als einziger fit, allerdings wurde der Paragleitbewerb wegen Föhnwetter abgesagt. Heuer kann es also nur besser werden – aber wie viel besser muss es denn werden, dass ihr euch für den Frust des Vorjahrs entschädigt fühlt?

Im Vorjahr war es wirklich wie verhext. Man trainiert fast ein Jahr auf den Bewerb hin, und dann passieren so viele Dinge, auf die man keinen Einfluss hat. Dass wir mit diesem „Invalidenteam“ noch den vierten Platz erreicht haben, war schon eine gewaltige Leistung. Mit einem zweiten Platz wäre ich heuer sehr zufrieden. Das Siegerteam aus dem Vorjahr hat sich heuer noch auf der Laufstrecke mit Jonathan Wyatt verstärkt und wird nur schwer zu schlagen sein. In den letzten Jahren ist das Teilnehmerfeld aber immer ausgeglichener geworden, da kann man mit einem Platz in den Top 5 auch sehr zufrieden sein.


Du bist hauptberuflich Fluglehrer – welche drei Voraussetzungen muss ein Flugschüler unbedingt mitbringen, um bei dir mit dem Paragleiten beginnen zu können?

Geduld, Humor und Respekt vor den Naturgewalten. Paragleiten ist ein Freiluftsport, und da kommt es oft vor, dass man lange auf die richtigen Bedingungen warten muss. Um die Wartezeit zu überbrücken, schadet eine ordentliche Portion Humor nicht. Das Wichtigste ist aber, dass man das Wetter und die eigenen Fähigkeiten einschätzen kann und kein unnötiges Risiko eingeht.


Angenommen, wir beginnen heute Nachmittag mit dem Training. Für welchen Red Bull Dolomitenmann kann ich mich dann anmelden – 2010, 2011?

Das geht sich schon für das nächste Jahr aus, aber für den Sieg wird es noch nicht reichen. Im Normalfall absolvieren unsere Flugschüler am dritten Tag die ersten Soloflüge mit Funkunterstützung.






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