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Hannes Arch -

Das erste Red Bull Air Race 2008 gewann zwar Paul Bonhomme. Für die größte Überraschung sorgte in Abu Dhabi aber Hannes Archs zweiter Platz. Im Interview verrät der Steirer, was ihn so schnell machte – und was er sich in der heurigen Saison noch alles zutraut.

Was war die erste Sache, die dir heute Morgen durch den Kopf gegangen ist?

Dass sich all die Termine, die ich mir für heute vorgenommen habe, unmöglich ausgehen können. Wenigstens wird jetzt das Wetter besser, dann kann ich mit dem Helikopter zum nächsten Termin und spare mir zwei Stunden Autofahrt.

Wie viel Prozent deines Tages drehen sich denn um das Red Bull Air Race?

Hundert. Das ist schließlich mein Job.


Und wie oft denkst du an Abu Dhabi?


Nur, wenn mich Journalisten danach fragen. Denn ich schaue lieber nach vorn als zurück.


Bleiben wir kurz in der Gegenwart: Was ist denn der Unterschied zwischen dem Hannes Arch, der 2007 in Abu Dhabi die Qualifikation verpasst hat – und dem Hannes Arch von heute?


Was die Person angeht, gibt es hoffentlich keinen. Mein Charakter, meine Lebenseinstellung, mein Freundeskreis, all das bleibt ja gleich. Aber als Sportler habe ich den logischen nächsten Schritt gemacht.


Wie kam der zustande?


Erstens habe ich mir ein Jahr Zeit genommen, um zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Wer sich nicht nur die Endergebnisse ansieht, sondern auch die Trainingszeiten, wird erkennen, wie sehr ich mich im Lauf der vergangenen Saison gesteigert habe. Zweitens habe ich mir im Winter ein neues Flugzeug zugelegt, das genau für die Erfordernisse beim Red Bull Air Race entwickelt wurde. Drittens hält mein neues Team alle organisatorischen und technischen Probleme von mir fern, sodass ich mich nur aufs Fliegen zu konzentrieren brauche. Und last but not least habe ich auch noch hart an mir selbst gearbeitet, sowohl körperlich als auch mental.

Mike Mangold war im vergangenen Jahr so etwas wie ein Mentor für dich. Wie sehr hat es ihn gewurmt, ausgerechnet von dir geschlagen zu werden?


Am Anfang wohl ein wenig, aber Mike ist ein Vollprofi, sportlich und fair. Wir sind dann auch gemeinsam in die USA zurückgeflogen.


Wie viel sagt dein Erfolg über die Kräfteverhältnisse 2008 aus?


Wie gesagt, ich habe den nächsten Schritt gemacht. Ich rechne damit, heuer im Mittelfeld mitmischen zu können. Weitere Überraschungen wie die in Abu Dhabi sind mir aber natürlich sehr willkommen.


Paul Bonhomme war schon im Training eine Klasse für sich – und alle rätseln, warum seine Maschine heuer so schnell ist. Deine Vermutung?


Bonhomme ist so schnell, weil er einfach der beste Pilot ist. Natürlich hat er auch Top-Material: Er und Mangold haben die besten Flugzeuge, danach kommt schon meines und das von Steve Jones. Allerdings bekommen Nigel Lamb und Alex Maclean demnächst neue Maschinen.


Mike Mangold glaubt, Bonhommes Maschine wäre wegen ihrer Aerodynamik für schnelle Kurse gut geeignet, in San Diego wäre er damit aber wieder im Nachteil.


Glaube ich nicht. Bonhomme hat ein gutes Team, das stellt ihm auch in San Diego ein perfektes Flugzeug hin.


In Abu Dhabi hast du mit Toro-Rosso-Teamchef Gerhard Berger geplaudert. Ein Smalltalk unter Landsleuten – oder haben Formel 1 und Red Bull Air Race genug Gemeinsamkeiten, um Erfahrungsaustausch betreiben zu können?


Der Gerhard kommt zwar aus einer ganz anderen Ecke des Motorsports, aber er kann sofort beurteilen, wie aggressiv ein Pilot fliegt oder welche Linie die richtige wäre. „Du bist gut geflogen, aber im Finale hast die Nerven wegg’schmissen“, hat er zu mir gesagt. Das war zwar übertrieben, aber grundsätzlich stimmt es: Ich war nicht cool genug, um dort auch zu bestehen.


Du hast vor der Saison 15 Kilogramm abgenommen, um schneller zu werden. Heißt das: noch mal zwei Wochen fasten, und du gewinnst in San Diego?

Nein, das Fasten ist jetzt vorbei. Aber ich merke, wie gut es mir getan hat. Ich bin nicht nur viel fitter geworden, sondern habe damit auch die Maschine schneller gemacht. Man muss nur die 15 Kilogramm mit unserer G-Belastung hochrechnen und kann sich vorstellen, wie viel schneller die Maschine jetzt beschleunigen kann.  






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