Hannes Arch ist bereit für seine zweite Saison als Red Bull Air Race-Pilot, die am 10. April in Abu Dhabi beginnt. Im Interview spricht der 40-jährige Steirer über seine Erfahrungen als Rookie, seinen Teamkollegen Mike Mangold und warum er sich ganz besonders auf Rotterdam freut.
Du hast dich im Jänner in Los Angeles auf die neue Saison vorbereitet. Wie trainiert man eigentlich fürs Red Bull Air Race? Man kann sich ja nicht einfach zum Üben 20 Meter hohe Pylons auf einen Rübenacker stellen …
Das Taktische kann man natürlich nur beim Red Bull Air Race selbst lernen: zum Beispiel, wie man sich im Kurs zurecht findet und die Pylons richtig anfliegt. Aber man trainiert Kunstflug-Manöver und versucht die Turns zu simulieren, damit sich der Körper wieder an die Belastungen der Fliehkraft gewöhnt – man nennt das G-Toleranz.
Was macht denn den Körper noch 10-G-fit außer U-Turns und Drehungen um die eigene Achse?
Training und richtige Ernährung. Ich versuche gerade mein Körpergewicht von 90 Kilo auf ungefähr 75 zu reduzieren. Bei sechs bis zehn G macht das an die 100 Kilo weniger, die man im Flieger mitschleppt. Will man das beim Material einsparen, muss man ordentlich Geld in die Hand nehmen.
Ein bisschen Geld hast du ja auch investiert, schließlich wurde an deinem Flugzeug über den Winter einiges verändert. Was denn?
Ein paar Grundmodifikationen, der Motor und die Flügel-Enden. Beim Red Bull Air Race ist man ja nicht nur Pilot, sondern auch Team-Owner und Manager. Wenn man Veränderungen am Flugzeug haben will, dann muss man derzeit noch privates Geld investieren. In den nächsten Jahren wird sich das ändern und ein Rüstungskampf wie in der Formel 1 wird sich entwickeln. Heuer sollte ich aber ganz gut dabei sein. Meine Maschine ist auf dem Stand von Mangolds Vorjahresmodell.
Nicolas Ivanoff ist im Vorjahr von der Edge 540 auf die eigens für das Red Bull Air Race entwickelte Extra 300SR gewechselt und hat damit in Perth gewonnen. Wie viel Sorgen macht dir das als Edge-Pilot?
Ich bin von dieser Maschine nicht restlos überzeugt. Sie hat ein anderes Flügelprofil, bei kurvenreichen Strecken hat Nicolas damit sicherlich einen Vorteil. Allerdings muss er auch eine schlechtere Beschleunigung und eine geringere Endgeschwindigkeit in Kauf nehmen.
Vor dem letzten Rennen im Vorjahr hast du mit Paul Bonhomme als Gesamtsieger der World Series gerechnet, gewonnen hat schließlich Mangold. Was traust du deinem Teamkollegen in der kommenden Saison zu?
Er kann natürlich wieder gewinnen. Mike ist ein extrem guter und motivierter Flieger, aber manchmal wirft er die Nerven weg. Im Vorjahr hat er vom Vorsprung aus den ersten Rennen profitiert, von der Konstanz ist für mich aber Paul der stärkere. Neben den beiden muss man auch Peter Besenyei und Kirby Chambliss zu den Favoriten zählen.
Du bist in deiner Rookie-Saison in den Qualifikationen Bestzeiten geflogen, dein bestes Rennergebnis war aber „nur“ ein vierter Platz. Wir sehr freust du dich über den neuen Modus? 2008 punkten ja erstmals die besten neun Piloten.
Der neue Modus kommt mir entgegen, weil der Qualifikationstag jetzt mehr Bedeutung erhält. Da habe ich ja schon im vergangenen Jahr sehr gute Leistungen gezeigt. Wenn ich mich am Renntag verbessere, dann kann ich mich sicher im Mittelfeld etablieren. Schaut mehr dabei raus, habe ich natürlich nichts dagegen.
Neu sind heuer auch die Locations in Spanien, Stockholm und Detroit. Dazu gibt es erstmals seit 2005 wieder ein Rennen in Rotterdam. Auf welches Rennen freust du dich am meisten?
Besonders neugierig bin ich auf Rotterdam. Da war ich vor drei Jahren noch Renndirektor und habe vom Tower aus mitgefiebert. Jetzt bin ich auf der anderen Seite und kann das Event aus Sicht des Piloten miterleben.