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Interview Hannes Arch - „Air Race gefährlicher als BASE-Jump

Der Österreicher Hannes Arch war der erfolgreichste Rookie der Red Bull Air Race World Series 2007. Im Interview blickt er auf seine erste Air Race-Saison zurück – und verrät seinen Tipp für die Titelentscheidung in Perth (Australien) am 4. November.

Noch ein Rennen bis zum Ende deiner ersten Red Bull Air Race-Saison: Was hast du in den letzten Monaten gelernt, das du vor dem 6. April noch nicht wusstest?

Wie unglaublich hoch das Niveau in der Red Bull Air Race World Series ist. Ganz ehrlich: Ich hatte mir das Mitfliegen leichter vorgestellt. Dazu kommt, dass ich bei meinen bisherigen Projekten auf mich allein gestellt war. Jetzt erwartet eine Million Zuschauer, dass ich auf die Minute genau in Topform bin. Eine enorme Herausforderung.

Mit bisherigen Projekten meinst du Film-Stunts und BASE-Jumps, aber auch die Organisation von Red Bull X-Alps – alles Jobs, mit denen du große Erfolge feiern durftest. Wie schwer fiel dir die Erkenntnis, dass ein Red Bull Air Race-Rookie viel Geduld und langen Atem braucht, bis sich die ersten Erfolge einstellen?

Abu Dhabi hat mich auf den Boden der Tatsachen gebracht. Ich war gerade European Freestyle Aerobatic Champion geworden, flog mein erstes Red Bull Air Race – und wurde Letzter. Das war frustrierend, aber es hat mich auch Respekt vor diesem Sport gelehrt. Das Red Bull Air Race ist das härteste und gefährlichste, das ich je gemacht habe, viel gefährlicher als BASE-Jumping. Ich bin heute froh, dass es mir so schwer gemacht wurde, mitfliegen zu dürfen, denn vor ein paar Jahren wäre ich dazu noch nicht reif genug gewesen.

Ist Reife und jahrelange Rennerfahrung wirklich so wichtig, wie das Alter der Seriensieger vermuten lässt? Dein Teamkollege Mike Mangold etwa ist schon 52 ...

Dafür gibt es vor allem wirtschaftliche Gründe: Keiner kauft einem 20-Jährigen ein Kunstflugzeug, und auch verdiente Piloten können es sich normalerweise nicht leisten, 350 Tage im Jahr als Kunstflieger unterwegs zu sein. Darum dauert es eine Weile, bis jemand genug Erfahrung gesammelt hat. Ich hatte das Glück, durch andere Projekte und Sportarten einen Sponsor im Rücken zu haben, darum kann ich schon im vergleichsweise jungen Alter von 40 Jahren mit dabei sein.

Wie talentiert du bist, hast du mit deinem vierten Platz in Brasilien gezeigt. Warum passte bei diesem Rennen alles so gut zusammen?

Brasilien war mein bestes Ergebnis, aber nicht meine beste Performance. Im Gegenteil: Ich konnte mich das ganze Jahr über kontinuierlich steigern. In San Diego zum Beispiel hätte ich ohne die Drei-Sekunden-Zeitstrafe, die ich für meine leichte Schräglage bekommen habe, die schnellste Qualifying-Zeit gehabt. Daran sehe ich, dass ich mein Ziel erreichen kann: Irgendwann um Siege mitzufighten.

Was war für dich das Highlight der World Series 2007 – von Brasilien und San Diego abgesehen?

Eigentlich ist jedes einzelne Red Bull Air Race ein Highlight fürs Leben. Ich meine, wann bekommt man schon die Chance, in Budapest unter der Kettenbrücke durchzufliegen, oder in Porto durch Häuserschluchten, oder quer über Londons Sehenswürdigkeiten? 

Dein Teamkollege Mike Mangold liegt vor dem letzten Rennen zwei Punkte hinter Paul Bonhomme. Deine Prognose für den Ausgang der Red Bull Air Race World Series 2007?

Ich rechne mit Paul, weil er wahnsinnig sauber fliegt und der konstantere und nervenstärkere von beiden ist. Mike ist zwar der schnellste Pilot im Feld, aber er neigt bei Stress zu Fehlern.

Wie ist denn die Stimmung im Cobra-Team – und dein Verhältnis zu Mike Mangold?

Es gibt im Feld Teams, die bloß unter dem gleichen Namen fliegen, doch bei Mike und mir ist das etwas anderes: Wir verstehen uns großartig. Mike hilft mir mit seiner Erfahrung, er gibt mir Tipps für die Vorbereitung, aber auch für Kleinigkeiten wie den Umgang mit den Technikern oder den Medien. Ich versuche dafür, so viel Stress von ihm fernzuhalten wie möglich.

Was erhoffst du dir beim Finalrennen in Perth für dich selbst?

Eigentlich bin ich mit meinen Gedanken schon in der nächsten Saison. Für heuer habe ich meine Ziele erreicht: mit jedem Rennen dazuzulernen und mich kontinuierlich zu steigern. Natürlich wünsche ich mir, in Perth endlich wieder die verflixte Qualifikationsrunde zu überstehen und ein solides Rennen zu zeigen, aber ich will mir da keinen Druck machen.






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