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Interview - Many Ameri„... der Moment, in dem es ,Klickt’

Many Ameri ist einer der Mitbegründer der Red Bull Music Academy. Seit 1998 sorgt er dafür, dass bei der Academy Lautsprecher Elektrizität, Lektoren etwas zu sagen und Participants eine unvergessliche Erfahrung haben. Im Interview gewährte Many einen Blick hinter die Kulissen des einzigartigen Musikevents. Was war die Vision, die am Beginn der ersten Red Bull Music Academy stand?
Red Bull wollte sich langfristig für die Club- und Musikszene engagieren – etwas zurückgeben. Mit der Academy sollte eine Inspirationsquelle für Musiker entstehen, eine Plattform, auf der sich Menschen aus verschiedenen musikalischen Hintergründen und Subgenres austauschen können, eine, in der ihre „Nachtkultur“ bei Tag reflektiert wird. Also setzten wir uns mit Musikjournalisten zusammen und sammelten Ideen ...

... die sich einem langwierigen Trial-and-Error-Prozess stellen mussten?

Ganz im Gegenteil, die wichtigsten Bausteine haben sich seit Berlin 1998 nicht verändert: Als erstes sollten die Teilnehmer ein gutes Verständnis für Musik und verschiedene Musikrichtungen bekommen. Also führten wir die Workshops ein, für die wir als Lecturer genau die Leute holten, die das jeweilige Genre mitbegründet oder maßgeblich geprägt haben. Zusätzlich sollten die Teilnehmer voneinander lernen. Also kamen die gemeinsamen Studio-Sessions dazu. Die Dauer von zwei Wochen und die Gruppengröße von 30 waren auch von Beginn an fix.

Anders die Entwicklung vom regionalen Event zur multikulturellen Institution: Wie wirkte sich die Internationalisierung auf die Academy aus?

Unheimlich bereichernd. Im ersten Jahr gab es nur Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im zweiten kamen die Leute aus sieben Ländern. Und für Toronto gab es bereits Bewerber aus 82 Ländern, vor Ort waren dann 32 Nationalitäten. Wir wählen auch jedes Jahr ein komplett neues Team aus: Von den 70 Mitarbeitern der Academy werden 50 Jobs lokal vergeben.

Hat auch die jeweilige Veranstalterstadt Einfluss auf die Vibes der Academy?

Ja, das konnte man zuletzt in Toronto gut sehen: Knapp die Hälfte der Einwohner dort wurde nicht in Kanada geboren. Man respektiert einander, lernt voneinander und tauscht sich untereinander aus, verliert dabei aber niemals die eigene Identität – die Academy war auf eine Art wie ein Mikrokosmos der Stadt drumherum.

„Die Red Bull Music Academy ist kein Kindergeburtstag, kein Wettbewerb und keine Volkshochschule“, hast du einmal in einem Interview gesagt. Was ist sie denn?

Das mit dem Kindergeburtstag finde ich heute gar nicht mehr so abwegig: Die Academy ist ja eine geschützte Zone, in der man alles ausprobieren kann, was man möchte. Man wird ständig ermuntert, Dinge zu tun, an die man sich im normalen musikalischen Leben nicht wagen würde. Man bekommt kein Diplom, aber eine lebensverändernde Erfahrung. Für mich ist es das schönste, wenn ich diesen Moment, in dem es „Klick“ macht, miterleben darf: Manchmal passiert das einem 19-jährigen Dubstep-Produzenten beim Workshop einer 80-jährigen Jazz-Legende, weil die gemeinsamen Gefühle für Musik auf den Punkt gebracht wurden; manchmal gibt es diesen besonderen Moment bei einem Konzert der Academy oder morgens um sieben, wenn zwei Teilnehmer eine Nacht lang im Club über Musik gequatscht haben ...

Was war denn dein unvergesslichster Moment bei der RBMA in Toronto?

Ich komme nachts in die Lecture Hall, wo Russel Elevado, der geniale Toningenieur von D’Angelos „Voodoo“-Album, unveröffentlichtes Material vorspielt. Im Dunkeln sitzen kopfnickend 16 Leute, Teilnehmer und Musikgrößen durcheinander gemischt. Alle starren still auf das Vibrieren der Bassmembran und in den Pausen nach jedem Song wird applaudiert, getanzt und geschrieen. Das ist nur einer der Momente, die es in der Academy jeden Tag gibt.

In den Anfangsjahren war die Academy eine Veranstaltung, die bewusst unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. In Toronto gab es hingegen ein Festival Center, zusätzlich kann man über RBMA Radio und die Podcasts auf der Website mitpartizipieren. Was führte zum Sinneswandel?

Das ist nicht ganz richtig: Die Academy selbst sollte zwar immer ein intimer Bereich bleiben, eine egofreie Zone, in der man sich gefahrlos öffnen kann. Uns lag aber schon seit dem ersten Jahr viel daran, den Output der Academy nach außen hin sichtbar und zugänglich zu machen. Der einfachste Einstieg in die RBMA-Welt ist nun das Red Bull Music Academy Radio. Das haben wir auf der Website durch Empfehlungen ergänzt, damit jeder seinem Geschmack entsprechend bedient wird. Mittlerweile gibt es über 500 Shows On-Demand und 400 Workshop-Videos.

Was kannst du über die Red Bull Music Academy 2008 verraten?

Sie wird in Barcelona stattfinden. Flankiert wird sie wieder von lokalen Workshops – 2007 gab es 128 in 42 Ländern – und einer Jubiläums-Show anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Red Bull Music Academy in London. Und man kann sich natürlich wieder für die zweimal 30 Plätze bewerben: und zwar voraussichtlich ab März oder April.





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