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Interview mit Beachvolleyballweltmeister Tedd Rogers
„Grips hilft“
Todd Rogers im Beachvolleyball-Weltmeister-Interview: Wie er das Turnier in Gstaad (Schweiz) erlebte, warum er die AVP-Tour internationalen Turnieren vorzieht und was er von Harry Potter hält.
Welcher Schlag ist in einem Beachvolleyballspiel der wichtigste: der erste, mit dem man das Spiel eröffnet? Der letzte, der den entscheidenden Punkt bewirkt? Der gelungenste, weil man mit ihm den Gegner aus dem Konzept bringt?
Pfff ... Das solltet ihr einen Psychologen fragen, aber nicht mich. Ich würde sagen, dass es zwar in vielen Matches diesen einen speziellen Schlag gibt, der dem Spiel die entscheidende Wendung gibt. Aber wann dieser Moment kommt, kann man nicht voraussagen.
Welcher Moment brachte denn im WM-Finale die entscheidende Wendung?
Wir liegen im ersten Spiel 14:12 voran. Barsouk diggt den Ball, aber mir gelingt es, ihn zu blocken. Von da an sind wir nicht mehr zu stoppen, während die Russen völlig von der Rolle sind und einen Punkt nach dem anderen verlieren.
Im Halbfinale stand deinem Partner Phil Dalhausser und dir ein härterer Gegner gegenüber. Worin liegt die Klasse der Brasilianer Ricardo/Emanuel?
Ganz einfach: Sie sind derzeit das beste Team der Welt. Dass wir sie schlagen konnten, macht uns unheimlich stolz.
Beachvolleyballspielern eilt manchmal der Ruf voraus, oberflächliche Zeitgenossen zu sein. Wie reagieren die Menschen darauf, wenn sie erfahren, dass du nebenbei auch einen Abschluss in Religious Studies hast?
Die meisten fragen mich, ob ich Priester bin. Dabei hat es sich bloß so ergeben, dass ich den Abschluss gemacht habe, weil mich die Materie interessiert hat. An meiner Uni, der U.C. Santa Barbara, stand nämlich vor allem die Geschichte der Religionen im Vordergrund – wie Christentum, Islam, Buddhismus und so weiter zu dem wurden, was sie heute sind. Wahnsinnig interessant.
Dass du 2006 in Las Vegas den Titel „God of the beach“ erhalten hast, hat in dir demnach zwiespältige Gefühle ausgelöst?
Nein, das fand ich witzig – obwohl ich die Scherze darüber eine Zeit lang schon nicht mehr hören konnte.
Hilft ein Uni-Abschluss auch beim Beachvolleyball – oder zählen am Spielfeld nur Kondition und Intuition, aber nicht die Cleverness?
In erster Linie musst du ein großartiger Athlet sein. Aber es schadet nicht, wenn du ein bisschen darüber nachdenkst, was warum am Platz passiert. Ja, ein wenig Grips hilft definitiv.
Auf der AVP-Tour wurdest du in den letzten drei Jahren als „Best Defensive Player“ ausgezeichnet. Warum kommt kein Ball an dir vorbei?
Weil vor mir ein fantastischer Blocker steht, weil ich hart trainiere, weil ich tolle Betreuer habe, und weil mir ein besonderes Talent hilft: Ich kann besser als andere voraussehen, wohin der Ball fliegen wird – so wie ein Schachspieler, der schon die möglichen nächsten Züge im Kopf hat.
Wollt ihr eure Erfahrung weiterhin auf der AVP-Tour vermehren – oder wird euch der Mega-Erfolg in Europa nun zu mehr Spielen in der FIVB animieren?
In diesem Jahr spielen wir noch in Brasilien und Bali, und nächstes Jahr stehen wieder einige Events in Europa am Programm. Aber ich bin ungern das ganze Jahr unterwegs – da würde ich meine Frau und meine Kinder zu sehr vermissen.
Du giltst als großer Fan von Fantasy-Romanen. Dein Expertenurteil über den neuen Harry Potter?
Ich habe ihn noch nicht gelesen. Es gibt da so eine Familientradition, laut der ich mir zuerst mit meinen Kids den Film im Kino ansehe und dann erst das Buch lese. Ich muss also noch warten, bis das neue Buch ins Kino kommt ...