Der gebuchte Platz
Clemens Doppler und Peter Gartmayer holen am Samstag am Center Court beim A1 Grand Slam in Klagenfurt den siebenten 9ten Platz in diesem Jahr, den vierten 9ten beim vierten Grand Slam. Die Bilanz der Österreicher damit sensationell: Bei den wichtigsten Turnieren des Jahres (Grand Slams und WM) klassieren sich Doppler/Gartmayer jeweils unter den Top Ten der Welt.
Im Spiel gegen die Weltmeister von 2005, Marcio/Fabio aus Brasilien, bleibt der erste Satz lange offen, die Österreicher spielen am Center Court bei Kaiserwetter groß auf, bringen die Brasilianer, die Nummer 2 der Welt, unter Druck, ehe Marcio/Fabio zum entscheidenden Zeitpunkt den Satz-entscheidenden Vorsprung herausholen können. Satz 1 geht mit 21:15 an Brasilien.
Satz zwei ebenfalls lange ausgeglichen, umstrittene Entscheidungen, sensationelles Side Out Spiel der Brasilianer und Fabios zurückgewonnene Blockstärke entscheiden letztendlich nach mehreren abgewehrten Matchbällen den Satz und das Spiel mit 24:22 denkbar knapp zu Gunsten der Nummer 2 der Welt.
Clemens Doppler: „Die Brasilianer haben ihr Spiel sensationell durchgezogen. Obwohl, Fabios Block hat erst im zweiten Satz funktioniert, das spricht dafür, auf welch hohem Niveau dieses Partie abgelaufen ist. Wir haben alles gegeben, es hat diesmal nicht ganz gereicht. Aber wir kehren nächstes Jahr zurück und versuchen´s wieder. Irgendwann sind wir hier am Center Court am Sonntag noch im Bewerb.“
Peter Gartmayer: „Schade drum, wir hätten gerne noch vor diesem Publikum weitergespielt. Aber das ist bereits unser siebenter Top Ten Platz in dieser Saison und das nach allem, das hier vor einem Jahr passiert ist. Wir haben das zweite ÖOC interne Olympia-Limit gebracht, das nimmt uns ebenso den Druck. Und wir haben bewiesen, dass wir bei den wichtigsten Turnieren des Jahres punktgenau unsere Leistung bringen können: Bei allen vier Grand Slams und bei der WM unter die Top Ten zu kommen ist mehr als nur gut.“
Großes Kino!
9000 Fans waren aus dem Häuschen und es regnete Sitzkissen auf den Center Court. Die Helden: Clemens Doppler und Peter Gartmayer. Österreichs Top-Beacher setzten sich in den Abendstunden, im letzten Spiel des Tages, in einem Krimi gegen die Kanadier Heese/Cadieux mit 2:1 Sätzen durch und erreichten so das Achtelfinale.
„Überall anders verlierst du solche Partien, nur in Klagenfurt gewinnst du sie“, so Clemens Doppler über die fantastische Heimkulisse. Natürlich entpuppt er sich mit seinem Partner immer mehr als Spezialist für Großereignisse: Bei allen vier Grand-Slam-Turnieren und der WM in diesem Jahr kamen die Österreicher stets unter die Top Ten.
Im Achtelfinale treffen Doppler/Gartmayer am Samstag, High Noon, auf die Brasilianer Fabio/Marcio, Nr.2 der Welt. Beach-Experte Robert Nowotny: „Keine leichte Aufgabe. Aber Fabio/Marcio sind auch schon genügend Patzer passiert. Ich traue Clemens und Pedro eine Überraschung zu. Dann wären Platz 5 und das Olympia-Ticket sicher.“
Doppler/Gartmayer sind die letzten Österreicher im Turnier. Die übrigen Paare scheiterten Freitag. Die Schwaiger-Sisters verloren im Achtelfinale gegen Ross/Boss (USA) – Rang 9. Gosch/Horst überstanden noch die Vorrunde, zogen aber in der Eliminationsrunde den Kürzeren: Rang 17.
„Wir wollen unter die Top Ten der Welt“
„That’s the way – aha – aha – I like it“ – hallte es gestern unentwegt durchs Stadion neben dem Klagenfurter Strandbad, als das Topduo Clemens Doppler und Peter Gartmayer sein Auftaktmatch gegen die Norweger Kjemperud/Skarlund gewann. Clemens und Pedro sind im heurigen Jahr sensationell unterwegs, waren bereits sechsmal unter den Top 10 eines World-Tour-Turniers (zuletzt bei der WM am Sonntag). Wir sprachen mit Peter Gartmayer. Die Österreicher ziehen die Menschenmassen zum Grand Slam nach Kärnten.
Letztes Jahr wurdet ihr durch Clemens’ Kreuzbandriss am Sprung ins Viertelfinale gehindert… Mit welchen Gefühlen bist du jetzt nach Klagenfurt gefahren?
Ich hab heuer nicht an die Ereignisse beziehungsweise die verpasste Chance im Vorjahr gedacht. Ich seh’ 2007 als neues Jahr und freu mich, wieder da zu sein: da, bei den vielen Leuten am Center Court. Wir werden einfach alles reinlegen.
Wie war’s eigentlich möglich, dass ihr nach der Verletzung so stark auf die Beach Courts zurückgekehrt seid?
Wir haben ab November 2006 intensiv im Red-Bull-Trainingszentrum in Thalgau gearbeitet. Da gab’s zwei Monate lang von Montag bis Freitag eiserne Trainingseinheiten mit Gewichtheben, Radfahren, und weiß Gott alles. Mitunter waren wir bis zu sieben Stunden pro Tag in der Kraftkammer. So haben wir den Grundstock für diese Saison gelegt, und deshalb sind wir körperlich und geistig noch immer top drauf.
Die Saison läuft ja wahnsinnig gut…
…du sagst es! Sechs Mal unter die Top 10 zu kommen, ist denk ich einmal, sehr ordentlich. Wobei’s zwischendurch immer wieder kleine Hänger, etwa beim Austrian Masters in St. Pölten (im Mai 2007). Aber seitdem geht’s extrem bergauf. Vor allem der neunte Platz bei der WM ist sehr hoch anzusehen. Das schaut im Nachhinein immer so easy aus! Dabei ist es irre schwer, unter die Top 10 zu kommen. Vor allem in dieser Regelmäßigkeit! Man bedenke nur, wie viele Topteams oft daran scheitern.
Seit heuer sind auch die Russen Dmitri Barsuk/Igor Kolodinski, aktuell Nummer 3 der Welt, eure Trainingspartner…
Das hat uns natürlich auch sehr geholfen beziehungsweise hilft uns noch immer sehr viel! Die Russen sind ein wahnsinnig starkes Team, das gemeinsame Training daher erste Klasse. Und wenn du gegen die Nummer 3 der Welt im Training mithalten kannst, dann brauchst dich eigentlich vor niemandem zu fürchten.
Was sind dann eure Ziele für Klagenfurt 2007?
Boa, spekulieren kannst da eigentlich mit gar nichts. Du musst bei jedem Turnier von Neuem den Kampf aufnehmen. Natürlich wär’s der absolute Wahnsinn, würden wir einmal die Top 5 erreichen. Gerade in Klagenfurt! Seit der WM am Wochenende sind wir ja wirklich zu allen Schandtaten bereit (Pedro lacht, Anm.). Aber, wie gesagt, es bringt nichts, damit zu spekulieren. Du musst von Spiel zu Spiel denken. Alles andere ergibt sich von selbst.
Wie groß ist der Stress in Klagenfurt – hier gibt’s doch großen Rummel um euch…?
Natürlich stehen hier, abseits der Spiele, jede Menge Termin am Plan. Aber es macht irrsinnig viel Freude zu sehen, wie die Leute deine Leistungen honorieren. Alles schaut auf dich, alles klopft dir auf die Schulter. Du stehst im Mittelpunkt! Was will man da mehr? Klar passen wir dann schon auf, dass sich die Dinge in einem gewissen Rahmen halten. Schließlich soll ja die Leistungsfähigkeit durch all zu viel Remmidemmi nicht beeinträchtigt werden. Aber, ich glaub, das kriegen wir schon hin.
Wie sieht eure Vorbereitung kurz vor den Spielen in Klagenfurt aus?
Jeder stimmt sich auf seine Art drauf ein. Wir haben jedenfalls kein fixes Ritual vor Spielen. Ich versuch mich einfach auf die Situation einzustellen. Mental und körperlich. Wobei, es ist selten gleich, weil jeder Tag und jedes Spiel anders sind.
Wie ist eure Rollenverteilung am Platz?
Klar übernehme ich zumeist das Blocken, währenddessen Clemens in der Verteidigung lauert. Beim Service haben wir uns drauf geeinigt, dass Clemens das Schwungservice bevorzugt, und ich das Flatterservice anwende. Was sich insgesamt sehr bewährt hat – aber auch je nach Gegner wechseln kann.
Wird Beachvolleyball hierzulande als Sportart immer mehr anerkannt – wie siehst du das?
Ich hab schon den Eindruck, dass die Leute sehen, auf welch hohem Level sich die Weltspitze schon bewegt. Das sieht man auch daran, dass ein starker Hallenspieler nicht automatisch ein guter Beachvolleyballer sein muss. Klar, den Stellenwert von Fußball, Tennis oder Schwimmen haben wir halt nicht. Trotzdem geht’s mit unserer Sportart weiter bergauf. Heuer gibt’s fünf Turniere mehr als noch im letzten Jahr. Und in Klagenfurt werden in der Begeisterung sowieso eigene Maßstäbe gesetzt. Wenn hier 17.000 Leute via Internet um Boarding-Pässe anfragen, dann heißt das was. Und wenn wir Österreicher weiterhin gut spielen, wird sich das Interesse für Beachvolleyball weiter nach oben bewegen. Auch für Schwimmen hat sich vor Markus Rogans Ära kaum wer interessiert…
Euer Ziel ist’s ja die Top 10 der Weltrangliste zu erreichen…
Natürlich ist es ein sehr ehrgeiziges Ziel, und noch ein weiter Weg bis dahin. Derzeit sind wir Zwölfter. Das heißt, wir müssen auch in den fünf, sechs großen Turnieren nach Klagenfurt noch Topresultate liefern. Aber in der momentanen Form ist das ja nicht unrealistisch. Wir werden jedenfalls unser Bestes geben!