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Kilian Fischhuber -

Kilian Fischhuber hat eine eigenwillige Erfolgsstrategie: Er gewinnt selten Contests, ist aber nie Schlechter als Fünfter – was ihm schon zwei Boulder-Gesamtweltcupsiege einbrachte. In Hall hingegen ließ er die Tradition sein und startete gleich mit einem Sieg in die neue Saison. Was er heuer sonst noch vorhat, verriet Kilian im Interview.

Du kommst gerade von zwei Outdoor-Trainingstagen in Italien zurück. Eine willkommene Abwechslung zu stickigen Kletterhallen?

Ja, es war eine sehr gute Abwechslung zum normalen Trainingsalltag. Ich war zwei Tage lang in Arco am Gardasee unterwegs und bin dort eine 600 Meter-Route und eine 200 Meter lange Route geklettert. Als Training war es nicht wirklich geeignet, weil ich beim Bouldern mehr Schnellkraft und Maximalkraft brauche. Aber jetzt kann ich topmotiviert zu den nächsten Wettkämpfen fahren.
 

Zumal der Saisonauftakt in Hall ja perfekt gelaufen ist. Wie schwierig war es, bei deinem Heimevent die Nerven zu bewahren?

Ich bin generell vor jedem Wettkampf sehr aufgeregt, da kann es auch schon mal passieren, dass ich zehnmal aufs Klo renne. Beim Heimevent ist die psychische Belastung noch einmal größer als sonst, weil man sich selbst mehr Druck macht. In Hall war ich bis zur Qualifikation fürs Finale besonders nervös, danach war es nicht mehr so schlimm, weil ich mein gestecktes Ziel erreicht habe. Im Finale war ich dann gegen Weltmeister Dmitry Sharafutdinof (RUS) und den Franzosen Jerome Meyer Außenseiter und selber überrascht, dass es zum Sieg gereicht hat.

 
Mit dem Sieg hast du eine beeindruckende Serie verlängert: In den letzten 24 Bewerben warst du stets unter den Top fünf. Bist du so stark, oder fehlt es einfach an der Konkurrenz?

Ich bin vielleicht vielseitiger als die Konkurrenz und kann mich auf verschiedene Profile besser einstellen und weit nach vorne klettern. Diese Konstanz ist mein Erfolgsrezept. Im Jahr 2005 habe ich beispielsweise keinen Einzelbewerb gewonnen – trotzdem habe ich den Gesamtweltcup geholt.

Im Juni steht für dich Red Bull Steinkönig auf dem Programm. Was sind deine weiteren Saison-Highlights?

Die Europameisterschaft, denn da hab ich bislang immer durch die Finger geschaut. Optimal wäre natürlich der Sieg im Gesamtweltcup und bei der EM. Aber in den letzten Jahren ist es nur selten gelungen, dass derjenige, der den ersten Bewerb gewonnen hat, dann auch den Gesamtweltcup geholt hat.
 

Du studierst Sport und Englisch auf Lehramt. Kann man den Weltcup mit Schule und das Felsklettern in der Off-Season mit den Ferien vergleichen?

Ja, so in etwa ist das. Bei den Wettkämpfen läuft alles in geregelten Bahnen ab, bleibt nur wenig Zeit für Spontanität. Das hole ich dann in den Ferien nach der Saison nach. Heuer fahre ich nach Afrika und nach Mallorca und gehe dort mit einigen Kollegen klettern. Das läuft dann wirklich locker ab: Wir führen ein Vagabundenleben, wohnen im Auto und nicht im Hotel – wenn es uns an einem Ort nicht mehr gefällt, dann packen wir unsere Sachen und wechseln die Location.

 
Gibt es Eigenschaften, die man sowohl zum Klettern als auch zum Studieren braucht?

Es würde sicher nicht schaden, wenn ich etwas vom Ehrgeiz und der Konsequenz aus dem Sport auch ins Studium einfließen lassen könnte. Da wäre ich wohl schon um einiges weiter als ich es jetzt bin. Aber vielleicht klappt es damit ja nach dem Bundesheer besser.

 
Ein Zitat von dir lautet: „Im Sportklettern macht man anfangs schnell Fortschritte, zu lernen, mit Angst umzugehen, kann dagegen lange dauern.“ Wie lernt man mit dieser Angst umzugehen?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, je öfter er Sachen probiert, umso mutiger wird er. Man muss sich beim Klettern immer auf seinen Partner verlassen können und sich bei Aufwärmrouten auch mal ins Seil fallen lassen. Trotzdem ist die Angst beim Klettern wichtig und ist ein Sicherheitsfaktor: Rationale Angst verhindert, dass man übermütig wird.






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