Red Bull - Mark Watson

Interview mit Kate Allen - Eine WM als Trainingseinheit

Bei den Olympischen Spielen in Peking möchte Kate Allen ihren Titel von Athen 2004 verteidigen. Wie ihr Trainingsalltag fünf Monate vor dem Event aussieht und wie sie ihre Konkurrentinnen motivieren, erzählt die 37-jährigeTriathletin im Interview

Es ist jetzt neun Uhr am Vormittag, genau die richtige Zeit für ein Frühstück. Auch für dich?

Ja, allerdings ist es bei mir schon das zweite …
 
Warum das?

Ich stehe immer um fünf Uhr auf, esse eine Kleinigkeit und habe dann zwei Stunden Schwimmtraining.

Erzähl uns doch noch ein bisschen mehr von dieser Phase der Vorbereitung. Welche Schwerpunkte setzt du rund fünf Monate vor Olympia?

Derzeit besteht mein Leben eigentlich nur aus Training, Essen, Schlafen und Regeneration - Zeit für Familie und Freunde bleibt leider keine. Ich trainiere 25 bis 30 Stunden pro Woche. In den letzten sieben Wochen habe ich besonders viel Schwimmtraining absolviert und versucht, meine Technik zu verbessern.

Besteht bei soviel Schwimmtraining nicht die Gefahr, dass du in deiner besten Disziplin, dem Laufen, an Stärke einbüßt?

Wenn man sich auf eine Disziplin konzentriert, ist es normal, dass man in einer anderen etwas verliert. Am Anfang habe ich sehr viel Grundlagenausdauer trainiert, darum mache ich mir um meine Laufleistung keine Sorgen. Meine übliche Spritzigkeit kann ich relativ leicht mit kurzem, intensivem Training zurückgewinnen.

Für die Radstrecke hast du ja eine Geheimwaffe. Was ist neu an deinem 2008er-Bike?

Die wichtigsten Änderungen sind natürlich die Farben - das Rad gefällt mir jetzt besser als früher. Aber im Ernst: Durch die neue Rahmengeometrie kann ich die Kraft aus den Beinen jetzt besser übertragen, und auch die Sitzposition ist um einiges angenehmer als früher.

… wobei „angenehm“ beim Triathlon-Training wohl eher ein dehnbarer Begriff ist. Wie wirst du mit Situationen fertig, in denen dein Körper bei besonders anstrengenden Einheiten einfach nicht mehr will?

Wenn es im Training nicht so gut geht, dann denke ich an meine Konkurrentinnen. Ich weiß, dass die sicher 100 Prozent geben, darum muss ich das auch tun, um eine Chance zu haben. Mein Ziel ist Olympia und da kann ich keine Kompromisse eingehen.

Vor den Olympischen Spielen stehen noch die EM in Lissabon und die WM in Vancouver auf dem Programm. Mit welchen Zielen fährst du dort hin?

Medaillen wären natürlich schön, besonders weil es meine letzten Europameisterschaften und Weltmeisterschaften über die kurze Distanz sein werden - ob ich dann noch ein Ironman-Jahr dranhänge, entscheide ich im Herbst. Eigentlich nütze ich heuer die EM und WM nur als Vorbereitung auf Peking. Ich möchte mich bei den beiden Events an meine Olympiaform annähern.

Meldet sich da nicht manchmal eine innere Stimme, die dir zuflüstert: „Warum tust du dir die ganze Schinderei eigentlich an? Schließlich bist du ja bereits Olympiasiegerin.“

Ich genieße zwar, dass ich schon einmal Olympiasiegerin war, aber das zählt heute nicht mehr. Ich möchte mit dem Gefühl nach Peking fahren, dass ich in der Vorbereitung mein Bestes gegeben habe.






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