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Triathlon: Sven Riederer - Schnelle Beine, harter Kopf

Als einer der stärksten Triathleten der Welt kann Sven Riederer kämpfen wie nur wenige. Ebenfalls ziemlich gut ist er im Nichtstun. Am Sonntag macht Sven Riederer gar nichts. Nichts bedeutet: keinen Sport, keine Termine, keine Büroarbeit sogar das Internet ist tabu. Dann ist er zu hundert Prozent Familienvater, spielt mit seinem kleinen Sohn, liest Zeitung, verbringt Zeit mit seiner Frau. «Ich brauche diese Pause und habe überhaupt kein Problem, mal keinen Sport zu treiben», erklärt er.

Er hat aber auch kein Problem damit, 35 Stunden pro Woche zu trainieren, die erste Einheit bevor es hell wird, die letzte nach dem Eindunkeln. Nur so ist es möglich, im Wettkampf in etwas mehr als hundert Minuten 1,5 Kilometer zu schwimmen, 40 Kilometer Rad zu fahren und 10 Kilometer zu laufen. «Das Training ist die Arbeit, die Erfolge sind die Belohnung dafür.»

Geradezu zur Kunst erhebt Sven das Nichtstun in seiner alljährlichen Trainingspause nach dem letzten Wettkampf. «Da ist sogar der Weg zu Fuss vom Hotel an den Strand eine Riesenanstrengung. Diese vier Wochen sind die schönste Zeit im Jahr», kommentiert der Mann, der einen der schnellsten Schlusssprints im Triathlonzirkus hinlegt. «Nach vier Wochen freue ich mich dann wieder auf Bewegung und habe extrem Spass am Training.»

Grosse Momente

Die grossen Rennen sind die grossen Momente im Leben jedes Athleten. Für Sven gilt das ganz besonders. «Ich bin kein Trainingsweltmeister. Ich brauche den Wettkampf. Da herrscht die richtige Spannung. Da kann ich noch einen Gang höher schalten.» Auf der Laufstrecke wird jeder Triathlon zum brutalen Ausscheidungsrennen. Es gewinnt, wer wirklich das Allerletzte aus sich herausholt. Sven hat an den Olympischen Spielen von Athen gezeigt, wie das geht, als er sich auf dem dritten Platz ins Ziel kämpfte.

 Sich zerreissen kann Sven auch, wenn der Sieg ausser Reichweite ist: ob er mit gebrochenem Zeh ein Rennen beendet oder nach einem Sturz auf dem Rad aus aussichtsloser Position eine Aufholjagd startet und das Rennen noch in den hart umkämpften Top 15 beendet. «Klar brauche ich Erfolge, aber es motiviert mich fast noch mehr, wenn ich mal eines an den Deckel kriege.» In solchen Situationen spielt dann auch die Taktik keine Rolle mehr. «Dann überlege ich nicht mehr viel und will nur noch nach vorn und das Beste aus der Situation machen. Wenn das ein 15. Platz ist, dann freue ich mich, wenn ich ihn noch erreiche.»

 
Firma Riederer

Sven gehört zu den stärksten Radfahrern unter den Triathleten. Die Sekunden, die er auf die schnellsten Schwimmer verliert, fährt er jeweils schnell zu, wie das in der Szene heisst. Selektive Radstrecken liebt er, weil sie ihm die Chance geben, dem Pulk davonzufahren. Gelingt das nicht, dann ist er zumindest frischer auf der Laufstrecke als andere, denen das Pedalen mehr zusetzt. Auf den abschliessenden zehn Kilometern machen die Laufspezialisten das Tempo und einer nach dem anderen muss die Spitze ziehen lassen. Die letzten Energiedepots werden angezapft und auch Sven muss beissen, um an der Spitze dranzubleiben. Schafft er das bis kurz vor dem Ziel, dann hat er gute Karten, denn so kräftig er in die Pedale tritt, so unwiderstehlich ist sein Schlussspurt. Schon manchen Spitzenplatz hat er sich auf den letzten Hundert Metern geholt.

Der gelernte Metallbauschlosser Sven vergleicht sich gerne mit einem Arbeiter. «Der muss auch seine Leistung bringen, um Geld zu verdienen.» Sich selbst sieht er als Chef, Produkt und «Büezer» in einem. Und während der Chef an der Optimierung des Produkts rumstudiert, geniesst der Arbeiter seine liebste Tageszeit: den Feierabend. «Sosehr ich Triathlon liebe, bin ich doch immer wieder froh, wenn ich geschafft habe, was an dem Tag zu machen war.» Ausstempeln und Abschalten sind ein Teil von Svens Erfolgsrezept. Der Rest steckt in seinen schnellen Beinen und seinem harten Kopf.






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