Martin Tschurtschentaler
Die härteste Vorbereitung
Martin Tschurtschenthaler berichtet über seinen Rekordlauf, bei dem er Nonstop 18000 Höhenmeter auf 110km Streckenlänge bewältigte. Dabei bezwang er den Großglockner, den Großvenediger und den Hochgall in nur 27 Stunden und 10 Minuten. Eine echt beeindruckende Vorbereitung für den Red Bull Dolomitenmann, der am 8. September 2007 in Lienz gestartet wird.
Martin Tschurtschenthaler ist ein Outdoorfreak und ein Sportler durch und durch. Seit Kindheitstagen faszinierten ihn die Berge, die er in allen Varianten erklomm - sowohl beim Bergsteigen als auch beim Berglauf. Als einer der besten Bergläufer Osttirols und erfolgreicher Dolomitenmannteilnehmer stellte er sich einer schier unlösbaren Aufgabe. Was er am 15.Juli 2007 vollbracht hat, stellt alle Ironmänner, Extrembiker und Ultratriathleten in den Schatten: In einem Mix aus Berglauf und Klettern bestieg er das Dreigestirn in den hohen Tauern (Hochgall 3463m, Großvenediger 3666m, Großglockner 3798) nonstop. Er bezwang die 110 Kilometer und die 10200 Höhenmeter in unglaublichen 27:10 h.
Doch wie kommt man auf so eine waghalsige Idee, und wie setzt man diese um? „Als Kind habe ich einen Fernsehbericht gesehen, in dem zwei Osttiroler Bergsteiger ein ähnliches Projekt durchgezogen haben. Die Gemeinsamkeiten waren die Berge, der Unterschied, dass die Kletterer die Verbindungswege mit dem Auto bewältigten. Da dachte ich mir, das muss ja auch ohne motorisierte Hilfsmittel möglich sein, und von dem Tag an trug ich als passionierter Bergsteiger und Bergläufer diesen Traum in meinem Kopf“. Doch wie man erahnen kann, ist diese Unternehmung keine, für die man sich heute entscheidet und sie dann am nächsten morgen umsetzt. „Im Kopf habe ich mich 6 Jahre vorbereitet und alle Eventualitäten durchgespielt, nach 4 Jahren war ich mir sicher, dass ich es schaffen kann und bereitete mich dann 2 Jahre mit sukzessiven Trainingseinheiten auf dieses Abenteuer vor. Ich habe schon nach einem Jahr einen Versuch unternommen, aber einige Fehler gemacht, die mich zu einem Abbruch zwangen. Durch Schlechtwetter musste ich die Unternehmung
ein Jahr verschieben, da sehr viele Komponenten zusammenspielen müssen, um es überhaupt schaffen zu können. Dazu zählen eine stabile Wetterlage, nicht zu viel und zu wenig Schnee auf den Bergen, langes Tageslicht, sowie geeignete Mondverhältnisse.“
Nachdem all die gewünschten Komponenten im heurigen Jahr zusammenspielten, bewältigte er die Monsteretappe und erfüllte sich seinen Kindheitstraum. Dazu legte er sich auch einen genauen Rhythmus und Ablaufplan fest, um diesmal nicht durch kleine Fehltritte erneut zu scheitern. Er versuchte vor seinem Lauf durch Musik den richtigen Rhythmus zu finden, um nicht durch zu hohes Anfangstempo die Unternehmung in Gefahr zu bringen. So teilte Tschurtschenthaler weiters seine Strecke in 7 Teiletappen, die normal als Tagesetappen bewältigt werden, um den Lauf überschaubar zu halten. „Mit jedem geschafften Teilabschnitt war ich der Erfüllung meines Traumes einen Schritt näher, und das gab mir wieder Motivation für die nächste Etappe“, so Tschurtschenthaler.
Doch welche körperlichen und emotionalen Schwankungen musste er durchstehen, um diese Monsteretappe zu überstehen? „Es gab während des Laufes nicht nur emotionale Höhenflüge, sondern auch Tiefpunkte, wie Übelkeit und Schwindelanfälle. In diesen Momenten zweifelte ich am Erfolg und so versuchte ich, meinen Kopf abzuschalten. Ich wusste nicht wie, aber ich wusste dass ich es diesmal schaffen werde. Und so war es auch, als ich nach 27h und 10 Minuten überglücklich das Ziel erreichte und meinen Traum erfüllt hatte.“
Doch nicht nur als Extrembergläufer, sondern auch als normaler Bergläufer macht Martin Tschurtschenthaler immer eine gute Figur und stellte das schon einige Male beim Red Bull
Dolomitenmann, dem härtesten Teamwettbewerb der Welt, eindrucksvoll unter Beweis. An diesem Bewerb nahm er 1996 erstmals teil, als ihn ein Bekannter, der von seinen herausragenden Berglauferfolgen gehört hatte, anrief, um ihn für seine Mannschaft zu gewinnen. Martin war sofort begeistert, bei diesem extremen Bewerb zusammen mit einem Paragleiter, einem Paddler und einem Mountainbiker zu kämpfen, und schon im zweiten Jahr seiner Teilnahme wurde er mit dem dritten Platz in der Berglauf Amateurwertung belohnt. „ Ich habe schon bei einigen internationalen Bergläufen teilgenommen, und somit kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Dolomitenmann Berglaufstrecke härter ist als jede andere Rennstrecke, die ich je gelaufen bin.
Bei meinem Rekordlauf war vor allem die Organisation und die Verwirklichung die Herausforderung. Daher schaut die Vorbereitung zum Dolomitenmann gegenüber meinem Rekordlauf ganz anders aus. Beim Dolomitenmann läuft man nicht auf Ausdauer, sondern immer am Limit und demnach gestaltet sich natürlich auch die Vorbereitung. Um beim Red Bull Dolomitenmann eine Topplatzierung zu erreichen, ist das Training viel härter, und wenn man voll berufstätig ist, ist das Erreichen einer Topplatzierung immens schwierig. Die Dolomitenmann Strecke erlaubt keine Fehler, und wenn man sich die Kräfte falsch einteilt, verglüht man am Ende“.
Natürlich wird Martin Tschurtschenthaler auch heuer wieder mit seiner Mannschaft bei der Dolomitenmann Jubiläumsveranstaltung teilnehmen. Obwohl er die Anstrengungen seines
Rekordlaufes aber immer noch in den Knochen spürt, hat er es sich zum Ziel gesetzt, heuer bester Osttiroler in der Berglaufwertung zu werden. Er will alles für sein Team geben, um seinen Freunden eine gute Grundbasis für eine top Teamplatzierung legen. „Seit meinem Rekordlauf bin ich nur mehr im Flachen gelaufen, werde mich aber in den nächsten Wochen auf den Dolomitenmann vorbereiten, um wieder alles zu geben.“
Facts:
Name: Martin Tschurtschenthaler
Geboren: 28.11.1968
Beruf: Technischer Angestellter
Familienstand: ledig
Sport: Berglauf, Bergsteigen, Skitouren, Mountainbiking,
Erfolge :
Großglockner in 9 h von Gaimberg (Lienz) quer durch die Schobergruppe,
anlässlich der 200-Jahrfeier am Großglockner ca.4500 hm und 45 km
Großglockner und Großvendeiger von Gaimberg in 22 h im Jahr 2001: ca.
7500 hm und 75 km meist im Gelände
Tauerndreigestirn. Das Erlaufen und Erklettern der 3 gruppenhöchsten
Berge der Hohen Tauern in einem Atemzug. Zeit 27h 10 min. am 15. und 16. Juli 2007
1. Ziel war der Hochgall in der Rieserfernergruppe mit 3436 m, 2. Ziel der
Großvendediger mit 3666 m und dann als 3. Ziel noch der Großglockner mit 3798 m.
Höhe Aufstieg dabei ca. 10200 hm; Höhe Abstieg ca. 8000 hm;
Streckenlänge ca. 110 km.