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Der Red Bull Dolomitenmann
Kaum ein anderer Bewerb fasziniert innerhalb des Extremsports die Athleten so wie der Red Bull Dolomitenmann. Anders als bei den Einzelwettkämpfen wird in Lienz gemeinsam im Team um Meter und Sekunden gefightet. 110 Teams, bestehend aus einem Bergläufer, einem Paragleiter, einem Kanuten und einem Mountainbiker, werden auch heuer wieder beim 20. Jubiläum am Start sein. Aus den rund 300 Bewerbungen um einen Startplatz konnten diese 110 einen der begehrten Startplätze ergattern.
Berglauf, der Kampf gegen die Dolomiten
Von Lienz (Osttirol, Österreich) aus starten die 110 Berglauf-Spezialisten nach einem Massenstart am Hauptplatz in Richtung Dolomiten. Knapp 1800 Höhenmeter legen Athleten auf einer äußerst selektiven Strecke bis zum Berglaufziel auf 2440m zurück.
„Man spürt vor dem Start eine unglaubliche Nervosität, jeder will auf dem Flachstück bis zum ersten Anstieg vorne dabei sein. Da musst du ganz ruhig bleiben, der Berg kommt erst.“, so Markus Kröll, amtierender österr. Meister im Berglauf und mehrfacher Dolomitenmann-Sieger im Team.
„Am Goggsteig trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Wenn du dieses erste Steilstück hinaufläufst, merkst du das erste Mal, ob du fit genug bist. Bei den hunderten Zusehern, die dich frenetisch anfeuern, möchte man ab und zu fast zu viel. Da heißt es trotz Gänsehautstimmung ruhig bleiben.“
„Das heftigste ist aber das Hallebachtal. Wenn du in dieses letzte Tal vor dem Ziel einläufst, kannst du einige hundert Höhenmeter über dir bereits das Ziel sehen. Doch da dauerts noch eine gefühlte Ewigkeit und die ständigen Ausreißversuche der Spitzenathleten zerren nebenbei an den Grenzen der Belastbarkeit. Besonders hier ist die Gefahr – den ‚Hammer’ zu erwischen – extrem groß.“
Der Grund für ein stetiges Wiederkommen erklärt der Zillertaler übrigens mit der Einzigartigkeit des Bewerbes: „Selbst wenn du mal einen schlechten Tag erwischt hast, weißt du, dass deine drei Teamkollegen auf dich zählen. Das macht den Red Bull Dolomitenmann noch brutaler, denn du gibst alles. Meist mehr als du kannst. Eine unglaubliche Faszination wie dich dieser Teamspirit antreibt.“
Die Siegerzeit von unter 1 Stunde 30 Minuten zeigt die Klasse der Athleten: für Wanderer ist die Strecke mit über 6 Stunden angegeben. Den Streckenrekord hält mit 01:25 Stunden Jonathan Wyatt, der wohl beste Bergläufer der Welt.
Paragleiten
Wenn man Außenstehende fragt, welche Disziplin wohl am ehesten machbar wäre, fällt oft die Disziplin ‚Paragleiten’. Wer sich die Sache allerdings näher ansieht, wird schnell feststellen, dass auch dies kein Spaziergang ist. Denn nach der Übergabe des Bergläufers kommt erst mal ein Höllenritt über eine üble Schotterhalde. Das ganze auch noch bergab und mit dem gesamten Paragleit-Rucksack. Erst dann können die Athleten den ersten Flug Richtung Moosalm aufnehmen.
Wendelin Ortner, einer der erfolgreichsten Dolomitenmänner überhaupt, kennt die Veränderungen gegenüber den letzten 20 Jahren, war er doch bei allen dabei und konnte 6mal die Paragleit-Einzelwertung gewinnen: „Bevor es den Red Bull Dolomitenmann gab, trainierte kaum einer der Piloten auf Ausdauer. Der erste Lauf bergab und der an die Zwischenlandung anschließende kurze aber brutale Berglauf zwingt zu einer äußerst guten Fitness, da liegt fast am meisten Zeit drin“, so der Osttiroler.
„Anfänglich waren wir Piloten einen Berglauf mit Schirm – und das ganze im Renntempo – einfach nicht gewöhnt. Es gab Kollegen, die während dem Rennen am Streckenrand – blass wie der Mond – saßen und erstmal verschnauften, bis sie weitermachen konnten.“
Seit dem letzten Jahr (2006) müssen die Piloten neben den Strapazen des Laufens und den ohnehin schon fliegerischen Schwierigkeiten noch zwei Pylonen umfliegen. Diese stehen auf knapp 2000 Metern Seehöhe eng an den Felstürmen der Dolomiten. Eine weitere Verschärfung, die manche Piloten im Vorjahr schon fast zur Verzweiflung trieb.
Wildwasser-Kajak
Die Drau durchschwimmen und dann mit dem Boot einen 6m hohen Sprung absolvieren - so die ersten beiden Aufgaben der Kanuten. Bereits hier zeigt sich, wer ein wahrer Dolomitenmann ist und den notwendigen Mut aufweist, das ganze ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen.
„Da brauchst du eine ganz ausgefeilte Technik. Wenn du das vermasselst und die Spritzdecke reißt, dann ist das Rennen schon vorbei bevor es richtig begonnen hat.“, so Harald Hudetz, der mehrfache Dolomitenmann-Gewinner.
Aber auch die vermeidlich ruhige Regatta flussabwärts entpuppt sich durch die teilweise äußerst schwierig zu absolvierenden Aufwärtstore und der Eskimo-Rolle als wahre Herausforderung. Doch die wohl schwierigste Aufgabe wartet, nachdem die Kanuten die Drau verlassen und in den Gletscherfluss Isel eingefahren sind. Eine äußerst brutale, ca. 300 Meter lange Aufwärtszone, gespickt mit Auf- und Abwärtstoren, Tragepassagen und einem letzten, aber extrem steilen Lauf zum Ziel fordern von den Athleten schließlich alles.
„Der Isel-Abschnitt ist wohl das Härteste, was es bei irgendeinem Kajakrennen gibt. Das Ausbooten und Laufen auf den glitschigen Steinen mitsamt dem Boot ist brutal. Auch wenn du da ein Tor nicht schaffst, heißt es ab zum Straftor, das gemeinerweise wieder flussabwärts hängt und ewig viel Zeit kostet.“, so der Kärntner Kanute zum Isel-Katarakt.
Mountainbike – „Die kalkulierende Wildsau“
Knapp 1400 Höhenmeter zur Hochsteinhütte müssen die Mountainbiker im ersten Abschnitt ihres Bewerbes absolvieren. Aber der Red Bull Dolomitenmann wäre eben nicht der ‚Härteste Teamwettbewerb der Welt’, wenn es sich um eine gewöhnliche Mountainbikestrecke handeln würde. Nein, wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Doch weil schieben immer noch etwas für Anfänger ist, trägt man hier das Rad lieber. Zugegebener Maßen nicht ganz freiwillig, denn der Großteil der Strecke ist so steil, dass Fahren einfach nicht möglich ist.
„Für mich als Strassenrennradfahrer sind die Tragepassagen das absolute Kriterium. Da bist du mit dem Puls auf dem Maximum, die Gefahr zu Übersäuern ist extrem hoch“, so Gerrit Glomser, der österreichische Profi-Rennradfahrer.
Glomser, der bereits bei seinem Debüt im Vorjahr den dritten Rang im Mountainbiken erreichte, wird auch heuer wieder am Start stehen: „Ich habe mir die Übergabe des Paragleiters an den Kanuten angesehen. Wahnsinn, wenn die in das Stadion hineinlanden, bei den tausenden Zusehern, eine tolle Atmosphäre. Nicht zuletzt wegen der unglaublichen Stimmung komme ich heuer wieder“.
Abwärts ergeht es den Teilnehmern auf der mit 26% Durchschnittsgefälle extremen Downhill-Strecke nicht viel besser. Wer hier nicht mit vollster Konzentration ans Werk geht, trennt sich schon mal von seinem Fahrrad. Wer aber den Höllenritt übersteht, der wird im Ziel (Lienzer Hauptplatz) von den tausenden Fans euphorisch bejubelt.
Glomser: „Ich bin auch auf der Straße eine Wildsau, scheue mich überhaupt nicht, wenns mal im Höllentempo bergab geht. Das kommt mir beim Red Bull Dolomitenmann sicherlich auch entgegen. Du musst Vollgas geben, aber eben mit der notwendigen Umsicht. Einige Stellen sind nicht zu unterschätzen. Man muss eben eine kalkulierende Wildsau sein.“