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Eine lebende Red Bull Dolomitenmann Legende blickt zurück

Wendelin Ortner zählt gemeinsam mit dem Zillertaler Manfred Rauch zu den einzigen, die bei allen 20 Red Bull Dolomitenmännern dabei waren. Erfolgreich wie kaum ein anderer gelang es ihm diesen Bewerb – den der Erfinder Werner Grissmann gerne als ‚Härtesten Teamwettbewerb der Welt’ bezeichnet – 6 mal zu gewinnen.
Der Bruder war’s

Dabei begann die große Karriere des sympathischen Osttirolers mit einem simplen Prospekt, das sein Bruder bei einer Sportveranstaltung fand. „Der Grissmann macht da was, das wär was für uns“ - so soll sein Bruder damals im Jahr 1988 die Dolomitenmann-Leidenschaft entfacht haben. In den Bergen und dann noch als Team, die Idee gefiel den Brüdern.

Kleider machen Leute, oder doch nicht
?

Hoch motiviert machten sie sich 1988 beim ersten Red Bull Dolomitenmann auf zum Start. Dort angekommen, fielen dem damals schlecht ausgerüsteten Ortner fast die Augen aus dem Kopf. „Da standen die Top-Piloten und die hatten die feinste Ausrüstung. Wenn ich wenigstens eine dieser tollen Brillen, mit denen die herumgelaufen sind, gehabt hätte. Ich war total eingeschüchtert – keine Chance, so mein Urteil vor dem Start.“. Doch es kam anders: bereits beim ersten Mal konnte der ‚Amateur’ Ortner bei den Profis mächtig mitmischen und erreichte auf Anhieb den fünften Platz.

Das Objekt der Begierde

Gleich im ersten Jahr, als Grissmann dem damaligen Sieger Andre Bucher die von Jos Pirkner gestaltete Paragleit-Trophäe überreichte, wusste Ortner: „die will ich auch mal haben“. Doch es dauerte insgesamt sieben Jahre, bis Wendelin sich diesen Traum erfüllen konnte. „Vor lauter Freude darüber sprang ich bei der Siegerehrung derart wie wild umher, dass mich sogar Journalisten darauf ansprachen“, erinnert sich der Osttiroler an den wohl schönsten Sieg seiner Karriere. Auch die Trophäe, für die er so lange gekämpft hatte, überstand die wilden Siegesfeiern nicht ganz unbeschadet: mehrere Schrammen erinnern noch heute an die ausgedehnte Siegernacht in den Diskotheken Osttirols.

Dolomitenmann Fieber

„Als mich der damalige Berglauf-Star Peter Schatz 1995 fragte, ob ich als Paragleiter beim Red Bull Team dabei sein möchte, sagte ich sofort zu. Eine Riesenehre.“ Der Beginn von Ortners Karriere im Red Bull Team, die bis heute andauert, war jedoch emotional fast zu viel für den bisherigen Amateur: die Aufregung in der Nacht vor dem Start raubte Wendelin Ortner komplett den Schlaf. „Irgendwann in der Nacht bin ich dann sogar Fieber messen gegangen, da ich vorher überhaupt noch nie so schlaflos war. Aber nichts, 36,7° - Normaltemperatur. Ich konnte es nicht glauben, fieberfrei zu sein, und angesichts des Schlafmangels machte ich mir immer mehr Sorgen.“. Diese sollten jedoch unbegründet bleiben, gewann Ortner doch in diesem Jahr erstmalig auch die Teamwertung mit seiner Mannschaft des ‚Red Bull Teams’.

Müssen wir wirklich starten?

Flieger sind keine Weicheier, soviel steht fest. Selbst in den insgesamt 3 Jahren, in denen der Flugbewerb aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden konnte, beschwerten sich die Piloten, warum nicht gestartet wird. „Beim Anmarsch zum Startplatz bemerkte ich bereits den Hubschrauber, der die Kameraleute hinauftransportierte. Den hat’s vor lauter Wind richtig gebeutelt“, erinnert sich Wendelin an einen der wohl widrigsten Umstände. Zwar war man bereits bei 20cm Schneedecke am Start, derart viel Wind machte den Piloten jedoch Sorge. „David Perathoner, der damalige Paragleit-Superstar fragte den Startrichter noch: müssen wir heute wirklich starten? Letztendlich ließen die Bedingungen dann doch einen Start zu, aber das mulmige Gefühl vor dem Start werde ich nie mehr vergessen“, so Ortner weiter.

Das wichtigste beim Wandern sind die Pausen

Wenn Ortner auf die Entwicklungen im Paragleiten zurückblickt, sind sicherlich auch die Schirme einer unheimlichen technologischen Veränderung ausgesetzt gewesen. „Wir flogen damals mit richtigen Zelten. Die hatten unglaublich hohe Gleitzahlen“. Der wirkliche Fortschritt fand aber anderswo statt: „Die Paragleit-Piloten fingen plötzlich an, Konditionstraining zu machen. Das konnte sich vorher keiner vorstellen“. Der Red Bull Dolomitenmann zwingt bekanntlich die Paragleiter zu einer Zwischenlandung und einem kurzen aber extrem heftigen Berglauf. „Irgendwann in den ersten Jahren habe ich sogar einen Kollegen während dem Rennen getroffen, der hat auf halber Strecke eine Zigarettenpause eingelegt. Wahnsinn, so was würde es heute nicht mehr geben.“, so der Osttiroler über die wilden Burschen, die in den Anfangsjahren dabei waren.

Trophäen-Sammlung


6 Trophäen konnte Ortner in den letzten 20 Jahren beim Red Bull Dolomitenmann gewinnen. Da diese für jeden Bewerb eigens gestaltet sind, tauschte Ortner diese mit den anderen Sportlern, um alle 4 Disziplins-Trophäen zu besitzen. Eine davon schenkte er im Vorjahr (2006) dem Veranstalter mit der Bitte, diese doch für einen wohltätigen Zweck zu versteigern. „Damit möchte ich mein Glück, das mich nun 20 Jahre begleitet hat, mit anderen teilen“, so der Osttiroler. Der Veranstalter kommt nun heuer diesem Wunsch gerne nach und wird die Trophäe der Stiftung „Wings for Life“, die sich mit der Betreuung querschnittsgelähmter Menschen befasst, überreichen. Heinz Kinegartner, der Schirmherr der Stiftung, wird diese anlässlich des Jubiläums persönlich übernehmen. „Es freut mich, dass die Trophäe diesem Projekt gewidmet wird“.

Alle Sieger:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dolomitenmann





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